Es ist eine abgründige Geschichte, die sich Orton 1984 ausgedacht hatte. Ein junger Mann gerät als Untermieter in das Haus - und die gierigen Fänge - eines gleichermaßen an ihm interessierten Geschwisterpaars. Im Austausch für sexuelle Dienstleistungen wird ihm ein angenehmes Leben ermöglicht. Wenn da nicht der Opa wäre, der über Sloanes kriminelle Karriere Bescheid weiß. Unter anderem hat der junge Beau einen Mann ermordet Eben dieses Schicksal ereilt nun auch Grossvater Kemp, was wiederum die Koexistenz mit Kathrin und Ed auf eine neue Grundlage stellt. Jeweils sechs Monate im Jahr soll er teils der femininen, teils der maskulinen Nutzung zur Verfügung stehen.
Ortons in den sechziger Jahren als skandalös empfundene Handlung, die Mord, Bi- und Homosexualität sowie Nymphomanie auf die Bühne brachte, spiegelte eine neue Zeit. England hatte seine weltpolitische Bedeutung und moralische Selbstgewißheit verloren. An die Stelle tradierter Werte trat nun die narzißtische, rücksichtslose Jagd nach Sensationen und Befriedigung. Sexualität und ihre Macht, private und gesellschaftliche Ordnungen aufzulösen, steht im Mittelpunkt von Ortons Stück. Er hat seinen Figuren ihre Begehrlichkeiten allerdings nicht auf die Stirn gemalt. Sie tragen noch die Masken mütterlicher Nächstenliebe (Kathrin), geschäftlicher Effizienz (Ed) und sexueller Unerfahrenheit (Sloane).
Aus: Dietmar Kanthak: Am Ende ist nicht nur das Wasser im Eimer, General-Anzeiger, Bonn, 2. März 1995.