Nach Vorpremieren in der Innerschweiz und einem Gastspiel am Zürcher Kinospektakel konnte der Stanser Urs Odermatt seinen Filmerstling Rotlicht! am Sonntag einem internationalen Publikum in Locarno vorstellen. Der Saal 2 des Festivalzentrums Morettina war übervoll. Ein gutes Zeichen für den Jungfilmer aus Nidwalden. Urs Odermatt, Sohn eines Nidwaldner Polizisten, lässt sein Rotlicht aufleuchten, übrigens neben ein paar Schuhen am Schluss einziger Farbpunkt in der schwarzweissen Film-Beziehungswelt. Ein Stoppzeichen mit Symbolfunktion. Immer wenn der Werbegraphiker Uwe Rühle meint, vorwärtszukommen, hält ihn dieses oft verfluchte Verkehrssignal auf. Zuerst pendelt der lässige Yuppie zwischen zwei Frauen, der jungen Ballettänzerin Nora, anlehnungsbedürftig und jugendlich-verspielt, sowie der selbstbewussten, attraktiven Ariela. Ein Macho und zwei Frauen - doch dann läuft die Beziehungskiste anders, frauenbewusster. Die beiden Gespielinnen bilden eine Koalition und lassen Uwe im Abseits stehen, der sich auch gegenüber seiner bestimmenden Chefin (43) nicht durchsetzen kann. Ein Verlierer auf der ganzen Linie.
Rolf Breiner: Volles Haus für Nidwaldner 'Rotlicht!', Luzerner Tagblatt, 11. August 1987.
Zwei Frauen und ein Mann: Das muss ja schiefgehen. Der Leser wird nun denken, was das schon wieder soll, das habe er ja schon oft, ja viel zu oft gehört, gelesen oder gesehen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Rotlicht!, der Filmerstling von Urs Odermatt erzählt auf witzige Weise, wie sich eine junge Frau aus den Klauen ihres muffeligen und selbstherrlichen Freundes befreit. Rotlicht! ist die Geschichte einer Frauenliebe, die sich auf den Schultern eines Patriarchen abspielt: eine Art Emanzipationsgeschichte.
Uwe Rühle (Uwe Ochsenknecht), in seinem Beruf als Graphiker seiner Chefin Frau Hartmann-Hartmann (Yvonne Kupper) gehorsamster Diener, hält in seinem Privatleben nichts von derartigem Untertansein, zeigt seiner Freundin Nora (Michaela Galli) ganz klar, dass er es ist, der die Hosen trägt. Doch Uwe macht einen grossen Fehler: Eines Nachts, Nora ist nicht daheim, lacht er sich die hübsche Ariela (Anouschka Renzi) an und verbringt eine Nacht mit ihr. Nora kommt heim, erwischt eine Fremde in ihrem Bett, streitet sich mit Uwe und Ariela, und ihr Verhältnis zu Uwe wird ein erstes Mal getrübt. Doch Nora versöhnt sich mit Uwe und mit Ariela und die Geschichte kann beginnen. Nora und Ariela werden Freundinnen und Uwe immer muffliger. Bis sich Nora endgültig von Uwe befreit, ereignen sich vielerlei Spässe und Ernsthaftigkeiten, wovon letztere vorwiegend im Auto, bei strömendem Regen und lauten Scheibenwischern stattfinden.
Spielfilmerstling
Rotlicht! ist der Spielfilmerstling des 32jährigen Urs Odermatt, der für Buch und Regie verantwortlich zeichnet. Der siebzigminütige Schwarzweissfilm wurde mit einem relativ niedrigen Budget und unter enormem Zeitdruck realisiert. In 14 Tagen wurde die ganze Geschichte auf 16-Millimeter-Filmrollen verewigt und später nachsynchronisiert. Gerade in diesem Bereich liegen wohl gewisse Schwächen im Film; Die Synchronisationsstimmen der beiden Frauen wirken oft etwas aufdringlich und gekünstelt. Dialoge im Auto werden oftmals fast abgewürgt durch die vielen Nebengeräusche. Doch liegt das wohl weniger an den Dialogen als am fehlenden technischen Material, an den fehlenden finanziellen Möglichkeiten; das ist generell die Problematik eines Erstlings: Wenig Zeit, wenig Geld und grosse Pläne. Urs Odermatt hat sicherlich kein Meisterwerk geschaffen, doch ein skurriles Zeitbild (Kamera: Rainer Klausmann, Mitarbeit bei Das gefrorene Herz, Akropolis Now, Fitzcarraldo u. v. a.), das jedem Leser zur Degustation empfohlen wird, der sich einen vergnüglichen Filmabend gönnen möchte.
Walter Risi: Spielfilmerstling eines Nidwaldners, Luzerner Tagblatt, 15. April 1987.
Schweizer Jungfilmer haben es wahrlich nicht leicht. Selbst wenn sie eine gute Idee und ein fertig ausgearbeitetes Drehbuch vorlegen können, das zwar alle in Frage kommenden Geldgeber für das Projekt einhellig als gelungene Idee und lustig befinden, kann es passieren, dass das notwendige Geld doch nicht aufgebracht werden kann, weil die zuständigen Stellen den Jungregisseur als zu unerfahren zur Realisierung des Projektes erachten.
So geschehen mit der Idee zum ersten Spielfilm des 1955 geborenen Filmautors Urs Odermatt, der sich immerhin über ein Volontariat beim Zweiten Deutschen Fernsehen, verschiedene Beiträge für das Kulturmagazin "Schauplatz", Mitarbeit bei Produktionen wie Yol und Konzert für Alice sowie über international prämierte Werbefilme und Regieunterricht bei Krzysztof Kieślowski ausweisen konnte. Die Geldgeber verlangten ein Gesellenstück von Urs Odermatt, der jedoch auch dafür bereits eine weitere gute Idee auf dem Förderband liegen hatte. Doch auch hier erwies sich die Finanzierung dann nochmals als recht schwierig. Rund 200 Pakete mit umfangreichen Unterlagen über ein Projekt hat er - wohlverstanden eigenhändig, ohne Mithilfe einer Sekretärin - erst verschicken müssen.
Schwarz-weisses Gesellenstück
Doch plötzlich kam der Stein ins Rollen, das Unternehmen konnte mit kleinstem Budget und unter Mithilfe von vielen Branchenkollegen, die an das Projekt glaubten, gestartet werden. Dieses Gesellenstück liegt nun vor, Rotlicht! heisst es, ist nur 764 schwarz/weisse Meter lang, was aber in diesem Falle, und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, köstliche 67 Minuten Kino ergeben hat und, nicht nur wegen der Drehorte Küsnacht, Zürich und Rüschlikon, zu einer sehr typischen, schweizerischen Filmkomödie heranwuchs.
Uwe Rühle, dargestellt vom mit ähnlichen Filmthemen bekanntgewordenen Uwe Ochsenknecht, aufstrebsamer Art Direktor in einer Werbeagentur, bekommt es mit den Schweizer Frauen zu tun. Mehr als ihm eigentlich lieb ist, um es gleich vorwegzunehmen. Da ist nicht nur seine Chefin, die bis und mit Body-Building alle erdenklichen Anstrengungen unternimmt, um jung und attraktiv zu bleiben. Nach einem kleinen Seitensprung, der nicht ganz programmgemäss endet, findet auch seine junge Freundin, eine junge Ballettänzerin, plötzlich und für Uwe reichlich unerklärlich Gefallen an ihrer Rivalin. Was nur mal als abwechslungsreiche Nacht gedacht war, endet nun in einer "ménage à trois", einer harmonischen Frauenverschwörung, die Uwe so ziemlich aufs Abstellgleis schiebt, ihn in herrlicher Ratlosigkeit zurücklässt, ja sich für den eingefleischten Macho zum Ablöscher aufbläst.
Uwe Ochsenknecht als Darsteller ist ein guter Wurf, die beiden Freundinnen, gespielt von Anouschka Renzi und Michaela Galli wirken so, wie sie in dieser Yuppie-Werbewelt apostrophiert werden, nämlich als "chicks", aber dies war ja wohl sicherlich auch beabsichtigt. Die nicht ganz alltägliche Wohnungseinrichtung von Uwe sich in Farben auszumalen, mag als besonderer Spass für den Zuschauer gelten.
Zürcher Regen als Begleitmotiv
Herrlich sind einige Details, zum Beispiel die morgendliche Fahrt zur Arbeit im schnittigen Cabriolet mit leider bereits etwas porösem Dach. Das Bild wiederholt sich oft, führt als roter Faden durch das eintönige Schwarz-Weiss der Bilder, denn in Zürich regnet es halt einfach täglich. Der Schluss der Story, der den ganzen Streifen über eigentlich bereits in der Luft hängt, sei hier nicht verraten. Das "Gesellenstück" des Urs Odermatt jedenfalls muss als gelungen bezeichnet werden, und zu hoffen bleibt, dass dieser einfallsreiche Filmer bald auch das nötige Geld für die weiteren Produktionen auftreiben kann, deren vielversprechende Ideen bereits auf Lager liegen.
Ursula Meister: Gute Unterhaltung mit kleinstem Budget, Anzeiger von Uster, 24. Oktober 1987.
Szene 1. Schlafzimmer, innen/Morgen. Jasmin, DRS-3-Stimme (verspielt/off): "Mmmpf, guten Morgen!" Die Morgenküsschen rieseln wie Schneeflocken aus dem Lautsprecher. Kaum haben einige newwavige Tontiraden aus Anne Clarks Hit Pur Darkness etwas Gras über die freakige DRS-3-Radio-Moderatorenstimme wachsen lassen, flirtet Jasmin, die Off-Stimme aus der Schlafzimmer-Stereoanlage, erneut mit den schlaftrunkenen Hörern. Sie bürstet den Morgen mit einem spleenigen, halb gesungenen, halb gesprochenen Hausmacherhoroskop gegen den Strich.
Das sind die ersten Zeilen aus dem Drehbuch von Rotlicht!, das seit gestern, 26. Juni, verfilmt wird. In Küsnacht steht das Haus, in dessen Schlafzimmer die Geschichte einsetzt, die sich der 30jährige Nidwaldner Urs Odermatt ausgedacht hat und die er folgendermassen charakterisiert: "Rotlicht! erzählt ein ménage à trois in der frechen Sprache junger Zürcher, die Geschichte um den Werbegrafiker Uwe Rühle, ein 'Ekel', und seine jugendliche Freundin, die nicht ganz zufällig Nora heisst. Rotlicht!, eine einstündige Low-Budget-Produktion, soll ein respektloses, spritziges, überzeichnetes, nach allen Regeln der Kunst verfremdetes Zeitbild der städtischen Twenszene skizzieren, das vom unerträglichen Naturalismus wegkommen möchte, die Geschichten über 'Beziehungskisten' oft haben. Die realen Dekors in Zürich und im Küsnachter Wohnhaus sollen deshalb - neben dem atemberaubenden Erzähltempo - mit irrealem Licht und aberwitzigen Requisiten verfremdet werden. Die Wohnung Uwe Rühles wird - ausser einigen wenigen Lichtquellen im Bild - nur durch Licht ausgeleuchtet werden, das im Freien steht und sich wie die Finger eines Zirkusscheinwerfers durch die Fenster tastet."
Die ungewöhnliche Laufbahn eines Klosterschülers zum Filmemacher
Urs Odermatt ist 1955 in Stans als Sohn eines Polizisten geboren. Dem Besuch der dortigen Klosterschule folgen bewegte Lehr- und Wanderjahre im In- und Ausland, wo er sich mit Jobs als Taxifahrer, Reiseleiter, Fabrikarbeiter, Flugkurier, Auto- und Flaschenwäscher, Discjockey, Filmkabelschlepper und anderem über Wasser hält, bis er 1978 als Volontär beim ZDF angestellt wird. In diesem Jahr macht sich Odermatt als freier Journalist und Fotograf in der Schweiz und in der BRD selbständig. Daneben übt er verschiedene Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen der Film- und Femsehbranche aus. Das geht von der Jurymitgliedschaft an Filmfestivals sowie Filmkritik über Produktion (etwa beim Film Yol von Yilmaz Güney) zur Herstellung von Beiträgen für das DRS-Kulturmagazin Schauplatz. Das Orwell-Jahr stellt für Odermatt einen Wendepunkt dar: Er schreibt sein erstes Drehbuch, Gekauftes Glück, und gründet mit dem Produzenten Christoph Locher die Cinéfilm AG und inszeniert an verschiedenen Laienbühnen. 1985 gewinnt ein im Rahmen eines Nachwuchswettbewerbs der AG für das Werbefernsehen hergestellter TV-Spot einen ersten Preis am Film & TV Festival of New York. Und nun also geht sein Kurzspielfilm Rotlicht! in Produktion, in dem ein für einen Erstling bemerkenswert hochkarätiges Ensemble mitwirkt: Uwe Ochsenknecht, seit Männer Deutschlands gefragtester Nachwuchsdarsteller, Anouschka Renzi, Mitglied von Peter Zadeks Truppe am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und Tochter von Eva Renzi und Paul Hubschmied, sowie Yvonne Kupper (Teddy Bär) und die bei uns noch unbekannte österreichische Schauspielerin Michaela Galli.
Von Stars, einer Obwaldnerin und schnellen Entschlüssen
Wie er diese Akteure für sich gewonnen hat, lautet denn auch eine der ersten Fragen bei unserem Gespräch, genau sieben Tage vor Beginn der Dreharbeiten. Odermatt, der am Morgen am Telefon etwas gestresst wirkte, ist nun, obwohl er von Termin zu Termin hetzt, ruhig und fröhlich. Er ist grossgewachsen und schlaksig, hat wache Augen, einen spitzbübisch-ironischen Zug um den Mund, wenn er sich nicht gerade konzentriert, und reizt mit träfen, frechen Sprüchen und witzigen Anspielungen immer wieder zum Lachen und Schmunzeln. Uwe Ochsenknecht habe er kennengelernt, noch bevor das Drehbuch zu Rotlicht! entstanden sei. In der Folge schrieb er ihm die Rolle des Werbegrafikers Uwe Rühle auf den Leib. Eine erste Zusage von Ochsenknecht, den Part zu spielen, stand nach dem immensen Erfolg von Männer allerdings zeitweilig auf wackligen Füssen.
Doch Odermatt liess nicht locker und umwarb den Star, bis er sein endgültiges Jawort gab. Den Filmemacher stört es nicht, wenn Schauspieler sich als Stars aufführen und man sich um sie bemühen muss. Im Gegenteil: Das Kino - gerade auch der Schweizer Film - braucht Stars als Publikumsmagneten. Und ihnen den Hof zu machen, ist bloss eine Art zu zeigen, dass man ihre Bedeutung anerkennt und weiss, dass sie den Film tragen: "Ich mache nur etwas Drehbuch und etwas Inszenierung, aber die Schauspieler sieht man nachher auf der Leinwand; sie stehen für den Film gerade", sagt er und scheint es damit ernst zu meinen.
Auch Yvonne Kupper sei von Anfang an für ihn als ideale Besetzung von Uwe Rühles Chefin, der Werbeagenturbesitzerin Hartmann-Hartmann, festgestanden. "Ob sie Zürcherin sei?" - "Nein, Obwaldnerin." Ich grinse und frage, ob er das gewusst habe. "Ja, aber ich habe sie trotzdem genommen. Ich bin nicht stur, mache auch Ausnahmen." Das würde ich wortwörtlich zitieren, warne ich ihn vor, und er lacht. Weniger zum Lachen zumute muss ihm letzte Woche gewesen sein, 14 Tage vor Drehbeginn, als er für die vorhergesehene Hauptdarstellerin einen Ersatz finden muss. Nach einer durchwachten Nacht wird beschlossen, den Film zu synchronisieren, um eine österreichische Schauspielerin, Michaela Galli, einsetzen zu können. Odermatt fliegt nach Wien, drückt ihr das Drehbuch in die Hand - und hört, nach Hause zurückgekehrt, ihre Zusage auf dem Telefonbeantworter.
Der Küsnachter Produzent und das liebe, leidige Geld
Gedreht wird während dreieinhalb Wochen in Küsnacht, Rüschlikon (in einer Werbeagentur), in der Badi Utoquai, auf dem See und in Zürich (unter anderem vor einer der unzähligen Verkehrsampeln). In Küsnacht hat der junge Stanser einige Jahre gelebt (jetzt hat er seinen Wohnsitz in Höri ZH und Berlin), in eben dem Haus, wo die Anfangsszene und ein Grossteil des Films spielen. Dessen Besitzer, der Produzent von Rotlicht! (Christoph Locher); ist in Meilen geboren und aufgewachsen. Er hat bereits Odermatts TV-Spot produziert und will nach Rotlicht! sein erstes Drehbuch Gekauftes Glück erneut in Angriff nehmen. Denn Rotlicht! ist sozusagen ein Gesellenstück, das Odermatt abverlangt wird von den wichtigsten Geldgebern des Gekauften Glücks, das immerhin 1,2 Millionen Franken kosten soll.
Die Aufgabe eines Produzenten besteht nicht, wie man erwarten würde, darin, das Geld aufzutreiben - das ist Sache des Autors und Regisseurs. Mittels eigentlicher "Bettelpakete" - zwei Drehbücher und diverse Unterlagen - hat sich Odermatt an offizielle Filmförderungsstellen, Gemeinden und Kantone, Fernsehanstalten, Stiftungen, Sponsoren, private Financiers und Mäzene gewandt und schliesslich dank 23 Zusagen fast 200 000 Franken gesammelt. "Etwa einer von zehn potentiellen Geldgebern hat positiv reagiert." Kein Wunder, behauptet Odermatt, dass 95 Prozent seiner Zeit als Filmemacher dem Geldnachrennen gewidmet ist. Bei Rotlicht! übernimmt das Schweizer Fernsehen 70 000 Franken, der Kanton Nidwalden 10'000 Franken, der Kanton Zürich 3'000 Franken der Produktionskosten; euer Rest stammt aus privater Hand.
Aufgrund der gesammelten Summe haben Odermatt und sein Produzent einen Vertrag abgeschlossen, der die Fertigstellung des Films garantieren soll. "Christoph trägt das Risiko, wenn ich das Budget überziehe. Für dieses Risiko hat er seine Prozente, ich habe sie für meine gestalterische Arbeit." Die Arbeit des Produzenten bestehe darin, den Drehplan sowie das Budget so zu entwickeln, dass Schauspieler, technische Equipe, Material und Geräte, Dekor usw. möglichst günstig und effizient eingesetzt werden, ohne dabei die gestalterischen Ansprüche des Regisseurs unzumutbar zu beschneiden.
Dieser will natürlich so viel Geld als möglich, um seine Vorstellungen umzusetzen, während der Produzent darauf bedacht ist, nicht wegen irgendwelcher "künstlerischer Eskapaden" das Budget zu überziehen. Übrigens: Gegenwärtig lebt der Filmemacher von einem Drehbuchauftrag des Südwestfunks; ohne das deutsche Fernsehen, sagt Odermatt, könnte er das alles nicht durchziehen.
Der Geschichtenerzähler aus der Provinz und die Grossstadtszene
Vom Geldsammler zurück zum Geschichtenerzähler: Wie ist Odermatt auf die Idee von Rotlicht! gekommen? "Der Film spielt in einer Szene - die Werbung nennt die entsprechende Zielgruppe 'Yuppies', Young Urban Professionals -, die ich erst mit meinem Auszug nach Zürich kennengelernt habe. Als Provinzler aus dem Innerschweizer Kanton Nidwalden (oder Kanton 'Hinterwalden', wie meine Zürcher Freunde manchmal frotzeln) bin ich eigentlich auch heute noch nicht ganz sicher, ob mich diese Szene, diese jungen, schnellzüngigen Städter, ihre oberflächliche, coole, lässige Schnoddrigkeit fasziniert oder anwidert. Oder beides. Davon handelt Rotlicht! auch." Zudem hat es Odermatt gereizt, eine Geschichte für die Leute aus dieser Szene zu schreiben, von denen er weiss, dass sie gemeinhin keine Schweizer Filme anschauen. Es soll ein Film werden, der sie anspricht, ohne sich bei ihnen anzubiedern. Odermatt strebt eine Synthese zwischen "inhaltlicher Gängigkeit und formaler Widerborstigkeit" an, will anspruchsvolles Kino mit Geschichten machen, die jeder versteht, die einen regionalen Bezug haben, aber wegen ihres Modellcharakters austauschbar sind. Warum erzählt er überhaupt Geschichten? Odermatt lacht: "Ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken. Darum."
Tibor de Viragh: Ménage à trois in Küsnacht, Zürichsee-Zeitung, Stäfa, 27. Juni 1986.