Uwe Rühle (31) ist erfolgreicher Art Director bei der Werbeagentur Hartmann & Hartmann.
Seine Chefin, Frau Hartmann-Hartmann, ist 43, souverän, selbstbewusst, ehrgeizig und herrisch.
Nora, Uwes Freundin, ist 18, verspielt, sensibel, anlehnungsbedürftig und fast schüchtern.
Uwe trifft Ariela. Ariela ist jung und selbständig. Und sie gefällt auch Nora.
Ein skurriles Zeitbild.
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Der einunddreissigjährige Graphiker Uwe Rühle arbeitet als Art Director bei der bekannten Werbeagentur Hartmann-Hartmann. Uwe ist stolz darauf, keinerlei Probleme mit der Hartmännin, seiner Chefin, zu haben. Uwe ist stolz auf seine partnerschaftliche Haltung gegenüber seinen Mitarbeiterinnen. Uwe ist schliesslich aufgeschlossen, ein moderner Mensch.
Privat will Uwe allerdings seine Ruhe haben. Für seine freien Stunden hat er sich eine sehr junge Partnerin gesucht, bei der er sich vom täglichen Gleichberechtigungsstress in der Agentur erholen kann. Hier sind die Verhältnisse noch klar und seine Stellung unangefochten. Hier ist Uwe noch Uwe, ein Patriarch wie aus dem Geschichtsbuch, und seine um zehn Jahre jüngere Freundin scheint zu wissen, was sie an einem starken, souveränen, reifen Mann hat.
Nora, Uwes Freundin, eine junge Ballettänzerin, entdeckt bei einer unerwartet frühen Rückkehr von einem Gastspiel eine junge Frau in Uwes Schlafzimmer. Nora merkt sehr schnell, dass sich Uwe das Mädchen am Abend zuvor irgendwo angelacht und bei sich behalten hat. Ariela, die junge Frau, wird von Nora nach einer ausgesprochen bissigen Auseinandersetzung verabschiedet.
Der Zufall will es, dass sich Nora und Ariela etwas später wieder treffen, in der Zürcher Badeanstalt Utoquai. Die beiden finden sich nach der besänftigenden Wirkung von ein paar Tagen Distanz gar nicht mehr so unsympathisch, entdecken Gemeinsamkeiten, gemeinsame Interessen, gemeinsame Erfahrungen, gemeinsame Bedürfnisse. Nora und Ariela freunden sich an. Nora erstarkt an dieser unerwarteten Freundschaft. Zumal die gegenseitige Sympathie und Anziehung der beiden Frauen sehr schnell eine sinnliche Dimension erreicht, die Uwe ausgesprochen schlecht bekommt.
Nora, die nicht ganz zufällig diesen Namen trägt, stellt plötzlich neue Ansprüche an Uwe, gewinnt an Souveränität, beginnt ihre Bedürfnisse selber zu bestimmen, will mehr Freiheit, beginnt Uwe zu entgleiten.
Uwe wittert Vergeltung. Uwe fühlt sich als Mann in Frage gestellt. Grundsätzlich. Nora und Ariela, ein Paar... absurd. Das kann nur gegen ihn gerichtet sein. Uwe will sich nicht beruhigen. Uwe schreit auf. Uwe fühlt sich aufs Abstellgleis geschoben. Uwe läuft Amok...
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Rotlicht!-Finanzierung, ein Spiessrutenlauf
Ursprünglich sollte nicht die verspielte Yuppie-Farce Rotlicht!, sondern das viel früher entworfene Projekt Gekauftes Glück der Spielfilmerstling von Urs Odermatt werden. Gekauftes Glück erzählt die tragikomische Geschichte des Windleters, eines ledigen Nidwaldner Bergbauern, und seiner schwierigen Suche nach einer Bäuerin auf das abgelegene Windleten-Heimet, einer Suche, die mit dem "Erwerb" einer thailändischen Bauerntochter endet.
Obwohl von allen Seiten fast einhelliges Lob zu hören war, erwies sich die anfangs 1984 geschriebene Nidwaldner Geschichte Gekauftes Glück aber bald einmal als zu gross und als Spielfilmerstling nicht finanzierbar. Nicht unter der Regie des Autors Urs Odermatt zumindest. Beim Schweizer Fernsehen suchte man nach neuen Lösungen und schlug einen erfahrenen anderen Regisseur für die Realisierung vor. Für den Autor kam dieser Vorschlag nicht in Frage. Nachdem sich die erhitzten Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, war man sich schnell einig: Eine kleinere, billigere Geschichte musste her, ein Gesellenstück, ein Leistungsausweis für den neuen Regisseur. Das Schweizer Fernsehen, noch immer interessiert an Gekauftes Glück, sicherte wohlwollende Prüfung des neuen Vorhabens zu.
Bei der Eidgenössischen Filmförderung war das Schicksal von Gekauftes Glück noch schneller besiegelt. Der Bund sagte zweimal ab, einer normal gerechneten und einer sehr sparsamen Version, "weil trotz unleugbarer Qualitäten des Drehbuchs und der originellen Grundidee dem Autor die notwendige Erfahrung für die Herstellung eines so stark beanspruchenden Filmes fehlt".
Die Sache war also klar. Beim Besuch des Berliner Filmfestivals im Februar 1985 beschloss der Autor, unter der sachkundigen Beratung des Cactus-Film-Produzenten Donat Keusch und seines Cinéfilm-Kollegen Christoph Locher, ein kleineres, billigeres Projekt auf die Beine zu stellen: Rotlicht! Erst als 30-Minuten-Kurzspielfilm gedacht, war das Drehbuch in sechs Wochen geschrieben und bereits im Frühsommer 1985 dem EDI und dem Schweizer Fernsehen vorgelegt. Das Schweizer Fernsehen fand das Projekt lustig und sagte sofort mit 50'000.-- Franken zu, beim Begutachtungsausschuss der eidgenössischen Filmkommission fand Odermatts filmische Ménage à trois jedoch keine Gnade. Damit begann der Spiessrutenlauf um die Rotlicht!-Restfinanzierung.
Mit einem Viertel des Budgets als Mitgift und einer Absage des Eidgenössischen Departementes des Innern als Hypothek ging Urs Odermatt auf die Suche nach den fehlenden Geldern. Anfangs mit sehr ernüchterndem Ergebnis. Zwei wichtige Geldgeber für Schweizer Low-Budget-Produktionen, der Migros-Genossenschaftsbund und die Aktion Schweizer Film, sagten ab. Rotlicht!, Urs Odermatts Erstlingprojekt, war jetzt ernsthaft gefährdet. Selbst Produzent Christoph Locher schien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an das Zustandekommen von Rotlicht! zu glauben.
Was tun? Aufgeben kam nicht in Frage. Urs Odermatt wählte die Flucht nach vorne. Er recherchierte eine Sammlung von zweihundert Empfängeradressen, welche aus wirtschaftlichen oder ideellen Gründen oder aus Gründen der Public Relations als mögliche Sponsoren für ein kreatives Unternehmen wie eine kleinere Spielfilmproduktion in Frage kommen könnten: Stiftungen, erfolgreiche Firmen, vermögende Privatpersonen. Der grösste Teil der Adressen stammte aus dem Kanton Nidwalden und der übrigen Innerschweiz, der Heimat von Urs Odermatt.
Mit viel Fleiss und ohne Sekretärin, wie man es von einem ordentlichen Filmeinsteiger wohl erwartet, verschickte Urs Odermatt zweihundert Pakete mit umfangreichen Unterlagen zu seinem Filmprojekt Rotlicht! und einem sehr höflichen Begleitbrief an zweihundert mögliche Mäzene. Resultat dieses Finanzierungsmarathons: 100'000.-- Franken an privater Filmförderung für Rotlicht!. Davon gut 23'000.-- Franken alleine aus dem näheren und weiteren Umfeld des Hergiswiler Schindler-Konzerns. Die vier Monate Fleissarbeit hatten sich gelohnt. Dies beeindruckte auch die Kantone Nidwalden und Zürich sowie die Präsidialabteilung der Stadt Zürich, was wiederum Goodwill für Urs Odermatts Filmförderungsgesuch an diese Stellen und letztlich weitere 18'000.-- Franken Förderung bedeutete. Da konnte auch das Schweizer Fernsehen nicht zurückstehen: Der Koproduktionsbeitrag der SRG wurde auf 60'000.-- Franken aufgestockt.
Nun nahm Rotlicht! wieder konkrete Formen an. Dank der Hilfe von Daniel Helfer, dem Regisseur von Der Rekord, und seiner guten Dienste konnten Urs Odermatt und sein Produzent Christoph Locher wieder daran denken, die ursprünglich schon in der Drehbuchphase vorgesehene Besetzung des Uwe Rühle mit Uwe Ochsenknecht auf die Beine zu stellen. Da Rekord-Hauptdarsteller Ochsenknecht in der Zwischenzeit dank Doris Dörries Männer ein Kinostar geworden war, gestaltete sich dieses Unternehmen allerdings nicht einfach. Schliesslich liess sich aber Uwe Ochsenknecht vom Projekt Rotlicht! überzeugen. Und nachdem das Schweizer Fernsehen grosszügigerweise weitere 10'000.-- Franken an die Unkosten für die erfahrene Hauptrollenbesetzung zugesetzt hatte, stand dem Beginn der Dreharbeiten für Rotlicht! nichts mehr im Wege.