Morten sitzt im Gefängnis. Isabel, seine Frau, hat ihn bei der Polizei angezeigt. Der Vorwurf: Sexueller Missbrauch an Kora, der eigenen Tochter!

Morten ist unschuldig, wir wissen das. Trotzdem gönnen wir ihm sein Schicksal - wir kennen seine heimlichen Träume.

Ein politisch unkorrekter Film über Vorurteile, Schuld und Schadenfreude.

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Kora erzählt seine Geschichte auf ein paar winzigen Inseln im Nordatlantik, wie Kieselsteine von der Hand des Schöpfers ins Meer geworfen.

In einer Welt, wo die Grenzen zwischen Mief und Gemütlichkeit, zwischen sozialer Sicherheit und Bevormundung fließend sind.

In einer geschlossenen Gesellschaft, wo jeder jeden kennt, und jeder von jedem alles weiß.

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Ein marodes Schauspielhaus. Der einstige Prunk des traditionellen Kulturetablissements bröckelt seit Jahren von der Decke. Geld für eine Renovation fehlt der kleinen Stadt. Vor dem Haus wartet die Abrißbirne. Passanten streiten sich mit Bauleuten über den Kulturverlust in der Stadt, in der es sonst nur Fußball gibt. Andere sind froh, daß die Ruine endlich wegkommt.

Eine kleine, vom Kampf um Anerkennung verschlissene Theatertruppe versucht verzweifelt, noch einmal ein Stück auf die Bühne zu bringen. Vielleicht doch nicht das letzte Mal. Vielleicht ist das Stück der erste Schritt in einen Neubeginn. Vielleicht tut sich mit der Inszenierung eine unerwartete Tür auf. Für den Regisseur. Für die an Geld, Glück und Geltung darbenden Schauspieler.

Das Stück soll ein großes, episches Drama werden, erzählt in den wilden, weiten, windigen Landschaften Westirlands: Kora. Hier, auf der kleinstädtischen Bühne. Heimlich träumen der Regisseur und sein verlorener Haufen aber den Traum vom Kino. Große Bilder. Große Gefühle. Reich und berühmt werden. Der Duft der großen weiten Welt. Da, wo die große weite Welt am Horizont lockt. Nächster Halt: Amerika! Große, ehrgeizige, hungrige Filmträume am Atlantik.

Um so niederschmetternder die kleinstädtische Theaterwirklichkeit. Ein Schlag ins Gesicht der Schauspieler. Die verlotterte Bühne. Der verwanzte Proberaum. Kalter Hackepeter mit Sättigungsbeilage und ranziger Majo in der speckigen Kantine. Dann lieber Hunger! Und Dosenbier. Dosenweise. Ab und zu ein dröger Fick mit N'importe-qui. Die Hölle findet auf Erden statt. Nichts gibt es häufiger auf der Welt als Schauspieler. Außer Insekten, vielleicht.

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Kora, das sind eigentlich drei Filme. Nach allen Regeln der inspirierten Frechheit parallel montiert. Und demontiert:

- Die Proben für die vielleicht letzte gemeinsame Theaterarbeit eines kläglichen Ensembles und ihres ratlosen Spielleiters in der hiesigen Kleinstadt. Ein Theaterfilm im Alltagsmief.

- Streit, Debatten, Rechtfertigungen, Ausreden, Klugscheißereien und Schonimmergewußthaben aller, angesichts des geplanten Theaterabrisses. In vielen leidenschaftlichen Interviews dem Berichterstatter in die Kamera gesprochen und als Zwischenspiele in die Geschichte montiert.

- Und: Der große Spielfilm Kora. Gedreht in epischen Bildern an der Atlantikküste Irlands. Mit Schauspielern, die im taggeträumten ausländischen Kinofilm grandios und großartig sind. Nicht hölzern und verpickelt wie in der täglichen Theaterprobenwirklichkeit.
Regisseur
Wir müssen den Orchestergraben fluten. Das Stück spielt am Meer.

Intendant
Welches Orchester? Was für ein Graben?

Regisseur
Vor der Rampe ist das Klavier. Wir machen eine Plane rüber. Holen ein paar Eimer Wasser. Oder den Schlauch.

Intendant
Im Keller nebenan ist das Stadtarchiv.

Regisseur
Hardy dichtet ab.

Intendant
Das ist nicht nur teuer. Kostet auch viel Geld.

Regisseur
Hardy macht es mit ohne.

Intendant
Hardy ist vorbestraft. Außerdem verheiratet.

Regisseur
Also ja.

Intendant
Ich weiß von nichts. Wer spielt Nora?

Regisseur
Kora.

Intendant
Egal. Klingt wie Seife aus Polen.

Regisseur
Die Bewerberinnen müssen bis spätestens Ende Woche bei der Regie vorliegen.

Intendant
Auf der Couch?

Regisseur
Auf dem Schreibtisch.