Meine Spielfilme Gekauftes Glück, Wachtmeister Zumbühl und Der böse Onkel spielen in Oberrickenthal, in Napfmoos oder in Villach, fiktiven Dörfern im ländlichen Nidwalden oder im Aargau. Fiktive Dörfer mit einer geschlossenen Gesellschaft, wo jeder jeden kennt, und jeder über jeden alles weiß. Dörfer, in denen es kein Geheimnis ohne Gerüchte und keine Gerüchte ohne Geheimnis gibt. Dörfer, wo das enge Nebeneinander von Mief und Gemütlichkeit, von Geborgenheit und Bevormundung eine verschworene Gemeinschaft bildet. Eine Gemeinschaft, an der der Mensch leidet. Wenn der Mensch die Gemeinschaft verliert, leidet er am Verlust. Ich spreche nicht - wie man vielleicht denken könnte - von einer sozialistischen Gesellschaft, sondern von einer katholisch geprägten, voralpinen Gesellschaft, wo die Berge den Menschen einschließen und beschützen. Wo sie ihn einengen und abschirmen vom Guten und vom Übel dieser Welt.

Kora
spielt in der gleichen Welt. Nur sind es nicht mehr Berge, die die Menschen vor der nächsten Stadt und vor anderen Gedanken trennen, sondern das Meer. Kora spielt in der geschlossenen Gesellschaft einer Handvoll Inseln im Nordatlantik. Das ist der einzige Unterschied. Zwar hat die Schweiz, zwar haben Nidwalden und der Aargau keinen freien Blick aufs Meer. Trotzdem ist Kora eine sehr schweizerische Geschichte. Eine Geschichte aus einer Welt, wo die Welt noch in Ordnung ist. Eine Geschichte aus einer kleinen Welt, die sich gegen die große Welt abschottet. Einer Welt, in der man noch weiß, wer wir sind, und wer die andern. Wo man noch weiß, was gut ist und was böse. Was weiß, was schwarz. Und was rot. Eine Welt, wie wir sie kennen, gegen die wir alle kämpfen. Und eine Welt, die wir alle schon ein bißchen vermissen.
Urs Odermatt