Auf dem Friedhof eines Schweizer Bergdorfs verkriecht sich eine angeödete Gesellschaft hinter ihren schwarzen Regenschirmen. Die herrische Mutter des Einödbauern Windleter ist gestorben, ihr Tod presst niemandem eine Träne ab. Die Kapelle ringt mit dem Takt eines drögen Trauermarsches, der Pfarrer zwingt seine Messbuben mit Kopfnüssen in die rechte Kondolenzhaltung. Der feiste Schankwirt vom "Hirschen" faltet die Hände nur, um seinen Schirm besser in den Griff zu kriegen, die kokette Bäckerstochter im Jeansminirock nutzt die Gelegenheit, Bein zu zeigen und die rote Schleife ihres Pferdeschwanzes besser in den Mittelpunkt zu rücken. Der Gemeindeschreiber, ein hemmungsloser und gewalttätiger Schürzenjäger, raucht ungerührt seine stinkenden Maisstumpen.

Und der Hinterbliebene? Ein abwesendes Lächeln, dann klatscht Windleter (Wolfram Berger) ein wenig nasse Erde auf den Sarg der Mutter. Der Matsch fällt dem hölzernen Gekreuzigten aufs Gesicht, der Lebende wie Tote hier unentwegt begleitet. Sehr unappetitlich sieht das aus, so lieblos und besudelt eben wie die ganze Conditio humana des Dorfes, dessen verlogene Gemeinschaft der Schweizer Regisseur Urs Odermatt in seinem Debütfilm Gekauftes Glück gleich zu Beginn mit entlarvender Detailfreudigkeit vorführt. Die Blicke, die die Feierlichkeiten des Begräbnisrituals durchkreuzen, sind schon die halbe Alpensage, sie erzählen von Unterdrückung und Lüsternheit, von der aasigen Intoleranz und dem boshaften Tratsch, der die Beziehungen der Dörfler dominiert.

Das Zusammenleben nach den fadenscheinigen Moralvorstellungen der weltlichen und geistigen Dorfgewaltigen funktioniert nur noch, weil nicht bloß die Honoratioren, sondern auch die verachteten Außenseiter wort- und widerspruchslos in den ihnen zugedachten Rollen verharren. In der Starre dieser zwischen den Bergen vergrabenen Welt festigen selbst die aufreizenden Protestbewegungen der Bäckerstochter nur die Stammtischüberzeugungen der geilen Spießer, fesselt die scheinbar eigenwillige Femme fatale des Dorfes immer mehr an die verhasste Heimat. Nur in dieser Umgebung, in der sie die Hure sein muss, findet sie überhaupt Bestätigung: in der Stadt, von der sie träumt, wäre sie nur ein Jeansmädchen unter vielen.

Ausgerechnet in diese Enklave der Vergeblichkeit, in der (Dorf)-Richter und Gerichtete schon aus Langeweile und mangelnder Phantasie aneinander festhalten, bringt der naive Windleter eine Fremde, eine eigens für ihn importierte Bauerntochter aus Thailand: das Glück der Andersartigkeit, das sich der Einsiedler auf Brautschau in Zürich bei einem geschäftstüchtigen Bordellbesitzer bestellt hat. Während sich aber der ortsunüblich zartbesaitete Windleter und die verschüchterte Schöne beim Melken und Misten, bei Curryreis und Obstler auch ohne Worte nahekommen, gärt es im Dorf. "Hiesiges Fleisch ist den Herren wohl nicht mehr gut genug", hetzen die Frauen. Ihre Eifersucht paart sich unheilbringend mit der Begierde der Männer, die in der neuen Windleterin nur die bestellte Hure sehen wollen: Das Exotische, das Schöne, es muss in ihrer Imagination verdorben sein.

So treibt das Dorf, geeint in sexistischer Pogromstimmung, den Preis für das erkaufte Glück ein. Stellvertretend für alle, die ihr auflauern wollen, wird die Thailänderin von dem zügellosen Gemeindeschreiber überfallen. Der Kampf mit ihrem Peiniger bricht ihr das Genick. Ihr Tod, das zeigt der Film mit quälender Nüchternheit, ist nur der entgangene Genuss ihrer potentiellen Vergewaltiger. Die Blicke, die die Lästerlichkeit des neuerlichen Begräbnisrituals durchkreuzen, treffen auf eine Leerstelle, sie suchen das nächste Opfer.

Das auszusprechen ist nicht Sache dieses stillen und eindringlichen Films, auch nicht nötig. Urs Odermatt, dem nicht nur mit Werner Herzog in der Rolle des verwilderten Gemeindeschreibers eine Reihe unverbrauchter, von keinerlei Chargenspiel verdorbener Darsteller zur Seite standen, ist mit seinem Debütfilm ein kleines Kunststück gelungen: Eine sorgfältige Choreographie der Blicke, die sich von der gängigen Geschwätzigkeit des deutschsprachigen Autorenfilms wohltuend abhebt.
Heike Kühn: Das Böse in den Bergen - Urs Odermatts eindringlicher Debütfilm 'Gekauftes Glück',
Frankfurter Rundschau, 11. März 1989



Manchmal wühlen sich ganz unverhoffte Talente mit einem Schlag aus dem Unterholz ans Licht: Dieser Urs Odermatt aus der ländlichen Schweiz hat hier erstaunlich kühl und klar einen drastischen Bergbauern-Heimatfilm in die Landschaft gesetzt, genüßlich "schön" fotografiert (Kamera: Rainer Klausmann) - und im malerischen Bergdorf-Idyll die harte, erbarmungslos von Tradition und Sitte niedergehobelte Gefühlswelt von groben Mannsbildern, die sich nicht trauen, der Mutter am Hof ein zweites Weiberleut daherzubringen, aber derb hinlangen, wenn's ums Vergnügen geht.

Kaum ist seine böse Mutter unter der Erde, braucht der Windleter (Wolfram Berger) eine Frau zum Arbeiten auf dem Hof - aber die, die 20 Jahre auf ihn gewartet hat (voll vom Gift verlorener Jahre: Annamirl Bierbichler), ist ihm mit 38 zu alt. Bei der Ehevermittlerin (Helen Vita) geht für Bergbauern auch nichts - also kauft er sich eine thailändische Bauerntochter vom städtischen Bordellbetreiber.

Die neue Thai-Bäuerin (Arunotai Jitreekan) ist fleißig und lieb, die Dörfler schauen geil, brutal und neidisch (Männer) oder bitterbös hämisch (Frauen) - und der Gemeindeschreiber (fieser Macho-Drecksack: Werner Herzog) schmeißt sie, als er sie nicht kriegt, von der Leiter: Ein "Unfall"-Tod von finsterer Gemeinheit. Aber bei der Beerdigung ist die gesamte Gemeinde wieder ordentlich versammelt.

Eine oft schrille Mischung aus Naturalismus und wüster Karikatur (der Pfarrer wird zum rabiaten Monster), in der dennoch eine ursprüngliche fabulierfreudige Beobachtungsgabe steckt: Ein kraftvoller Erstlingsfilm mit Ecken und Kanten - Gebirgler-Melodram und Wirtshausposse mit Bauernnotstand und Kanzelwut.
Ponkie: Eine herbe Liebeserklärung, AZ, München, 2. März 1989



Da wird geflucht, geschimpft und mit unflätigen Worten geredet, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Die Bergbauern und Handwerker in Urs Odermatts zweitem Spielfilm, Gekauftes Glück, sind ungehobelte Rohlinge - überzeichnet bis zur Karikatur, aber keineswegs jenseits der Wirklichkeit. Wer schon in abgelegenen Weilern Militärdienst geleistet hat, kennt diesen Schlag Menschen. Bei einigen versteckt sich hinter der harten Schale ein weicher Kern, bei anderen ist auch das Herz zu Stein geworden - jedenfalls in Odermatts Film. Fremdenhass, Begehrlichkeit und Missgunst sind die Triebkräfte der Tragödie, die sich im fiktiven Innerschweizer Dorf Oberrickenthal abspielt. Zu Beginn wird die Mutter des Nidwaldner Bergbauern Windleter (Wolfram Berger) zu Grabe getragen. Da sie nie eine andere Frau neben sich geduldet hatte, ist Windleter ledig geblieben. Ohne Frau aber kann er sein Bergheimet nicht bewirtschaften. Vreneli (Annamirl Bierbichler), die vor zwanzig Jahren einmal sein Schulschatz war, ist zu einer verbitterten alten Jungfer geworden. Und weder die laszive Bäckerstochter Jeannine (Marie-Thérèse Mäder) noch die Mädchen auf dem Tanzboden in Stans wollen auf den Windleten-Hof ziehen. Schließlich lässt sich Windleter von einem Zürcher Zuhälter für teures Geld eine thailändische Bauerntochter (Arunotai Jitreekan) kommen, die er vom Fleck weg heiratet.

Die Beziehung des ungleichen Paares, das kein Wort miteinander reden kann, entwickelt sich erstaunlich gut. In Gesten, Blicken und spontanen täglichen Hilfeleistungen erfährt der einfache Bauer zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Zärtlichkeit. Doch das ganze Dorf stellt sich gegen die Fremde: die Frauen aus Neid, die Männer aus Begehrlichkeit. Die liebenswürdige Thailänderin wird als Hure behandelt, mit der man sich alles erlauben kann. Einzig der "Hirschen"-Wirt (Mathias Gnädinger) macht das Kesseltreiben nicht mit. Als die Fremde einmal allein zu Hause ist, macht sich der finstere Gemeindeschreiber Businger (in Kinski-Manier vom Filmregisseur Werner Herzog gespielt) an sie heran. Dabei stößt er sie so unglücklich von einer Leiter, dass sie zu Tode stürzt.

Urs Odermatts kühner, in prägnant strukturierten Bildern erzählter Film greift nicht nur das aktuelle Problem der fehlenden Frauen in Berggebieten auf, er handelt auch von der Sprachlosigkeit und inneren Verrohung des modernen Menschen. Fern von allen Gotthelf-Idyllen steht Gekauftes Glück im geistigen Umfeld von Peter Fleischmanns kritischem Heimatfilm Jagdszenen aus Niederbayern. Ähnlich wie seine literarischen Vorbilder Horváth und Kroetz verurteilt Odermatt seine Figuren nicht - er hat Mitleid mit ihnen. Das Strindberg-Wort "Es ist schade um den Menschen" könnte als Motto über seinem Film stehen.
Gerhart Waeger: Innerschweizer Jagdszenen, TR 7, Zürich, 23/1989



Der Vater ist schon lange tot, dann stirbt die Mutter, und nun ist der Bergbauer Windleter ganz allein auf seinem abgelegenen Hof in den Schweizer Bergen. Die Zeit sei reif, findet er, daß eine Frau her muß - doch das ist gar nicht einfach, denn das Vreneli, seine Flamme von früher, will nicht mehr, und auf zahlreiche Inserate hin findet sich kein weibliches Wesen, das den Weg in die Einsamkeit gehen will, der zudem Entbehrungen und schwere körperliche Arbeit mit sich bringt.

Der Windleter kommt nun, angeregt von einem Zuhälter in Zürich, auf die Idee, sich eine Frau gegen Bargeld aus Asien einfliegen zu lassen: Ein kühner und natürlich illegaler Plan mit offenem Ausgang, denn niemand weiß ja vorher, wen die bezahlten Schlepper da anbringen. Um so mehr reibt sich unser Bauer die Augen, als er seine zukünftige Frau erstmals sieht - eine ganz zarte und schöne Thailänderin, die zwar kein Wort Deutsch spricht, wohl aber die bäuerliche Arbeit kennt und annimmt.

Wie der Windleter und seine Arunotai mühsam, aber beharrlich zueinanderfinden. wie sie scheinbar die Kluft der unterschiedlichen Kulturen überwinden können, dann aber immer mehr mit den Vorurteilen im Dorf, mit der Geilheit der Männer und der Eifersucht der anderen Frauen konfrontiert werden, das erzählt der junge Schweizer Filmemacher Urs Odermatt in seinem Fernsehfilm Gekauftes Glück, der als Koproduktion der SRG mit dem ZDF entstand und heute zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird. "Die tragische Liebesgeschichte ist anrührend und zugleich aggressiv erzählt", kommentiert Alfred Nathan in Mainz. "Die bornierten Dörfler werden nicht geschont. Aber die Schärfe und Einseitigkeit, mit der diese Figuren gezeichnet sind, ist nicht plump, sondern witzig und genau. Und eine Prise Ironie schützt das liebevoll beobachtete Paar vor jeder Sentimentalität". Im übrigen schüttelte sich Odermatt diese Geschichte nicht einfach aus dem Ärmel, sondern schöpfte sie aus der Realität: Jedes Jahr heiraten unzählige Schweizer Jungbauern Frauen aus Dritte-Welt-Ländern, weil sie in ihrer Heimat keine Partnerinnen finden. Odermatts Film ist aber ein Märchen mit utopischen Zügen, denn die Mehrzahl dieser Versuche enden für die importierten Frauen in Vereinsamung, Isolation oder auf der Straße.

Arunotai Jitreekan wurde für diesen Film direkt aus Thailand engagiert, ihren Ehemann spielt Wolfram Berger, und Odermatts weltbekannter Regiekollege Werner Herzog verkörpert den Dorffiesling Businger; weitere Darsteller sind Mathias Gnädinger, Günter Meisner, Michael Gempart und Annamirl Bierbichler sowie in der Nebenrolle der Heiratsvermittlerin Helen Vita.
K. W.: Die importierte Frau, Süddeutsche Zeitung, München, 22. April 1991
Auch als: K.W.: Märchen mit utopischen Zügen, Frankfurter Rundschau, 22. April 1991



In einem Schweizer Bergdorf ist auf dem abgelegenen Hof Windleten die alte Bäuerin gestorben. Zurück bleibt der einzige Sohn - unverheiratet. Nun hockt er da, der gutmütige 40jährige Windleter und braucht dringend eine Frau, um den Hof zu bewirtschaften. Aber er findet keine, die zu ihm paßt. Weder beim Tanzen noch durch Inserate. Schließlich bietet ihm ein Zuhälter ein thailändisches Bauernmädchen an. 5000 Franken blättert Windleter hin für sein gekauftes Glück. Und dieses Glück stellt sich zunächst ein. Arunotai, das zauberhafte Geschöpf aus dem fernen Bangkok, spricht zwar kein Wort Deutsch, weiß dafür aber zuzupacken auf dem Hof. Langsam lernen sich der derbe Schweizer und die schüchterne Asiatin verstehen. Nur unten im Dorf herrscht Beschränktheit und Neid. Machoallüren und Weiberfrust, kurz eine haßerfüllte Ablehnung all dessen, was man selber gerne hätte. Schließlich zerstört der Dorfmacho, ein lüsterner Widerling, die wachsende Nähe des Paares.

Es ist eine bitterböse Geschichte, die hier der Schweizer Regisseur Urs Odermatt in seinem Spielfilmdebüt Gekauftes Glück erzählt. Er kennt seine Landsleute gut, stammt er doch selbst aus einem dieser Nester. "Es sind Dinge, die ich in der Jugend mitbekam. Viele Bauern haben bei uns große Probleme, Frauen zu finden, weil diese heut' mobiler sein wollen und nicht mehr die Einsamkeit eines abgelegenen Hofes zu ertragen bereit sind. "Aus diesem Grunde wurde ihm anfangs verboten, im Dorf Isenthal im Kanton Uri zu filmen. "Es ist die Spießigkeit, von der Max Frisch so häufig schrieb."

Die vorzügliche Kameraführung von Rainer Klausmann, fern von der Skizzierung bekannter Schweizer Urlaubsidyllen, untermalt Odermatts Klage über die Verbote und rüde Gesellschaft: Fast durchweg ist der Himmel bedeckt. Die Farben sind von Dunstschleiern gedämpft, so daß etwas unausweichlich Unheimliches fortwährend in der Luft liegt. Die Gesichter sind so, wie wir sie nun einmal im richtigen Leben beobachten: verbohrt, verkniffen oder vergrämt und manchmal auch ungeschützt. Im Grunde weiß man von Anfang an, wohin Odermatts Geschichte steuert, da die Gefühle schnell freigelegt werden. Dennoch bleibt zunehmend Verwunderung über eine Gesellschaft, aus der man selber stammen könnte.
Immo von Fallois: Angst essen Seele auf - Urs Odermatt erzählt von der Fremdenfeindlichkeit
in einem Schweizer Bergdorf, Die Welt, Bonn, 22. April 1991



Das Dorf ist klein, die Frauen rar, und alle nicht mehr sonderlich jung. Trotz aller Bemühungen findet der Schweizer Bergbauer Windleter in den heimischen Hügeln keine Ehefrau. Wer heiratet schon einen Bergbauern und zieht mit ihm auf die Alm? Schließlich vermittelt ihm ein Zürcher Zuhälter eine Thailänderin, die er auch gleich heiratet. Für die Dörfler daheim ein Riesenskandal, der Ehre und Moral des Dorfes bedroht. Für den Bauern aber ist es das "gekaufte Glück", denn die Frau, jung und apart stammt offenbar aus einer Bauernfamilie, versucht sich im Reisanbau auf der Alm, melkt und mistet aus. Die mißgünstigen Dörfler lassen nicht locker, bedrohen die junge Ehefrau, die niemandem darüber etwas erzählen kann. Sie spricht kein Wort deutsch, und selbst der Pfarrer, bei dem sie Zuflucht sucht, sieht in ihr lediglich ein "Dings", das auch er betatschen kann.

Die deutsch-schweizerische Koproduktion unter der Regie von Urs Odermatt setzte auf düstere Farben und Stimmungen, auf verhaltene Dialoge, die nur im schwerfällig-widerborstigen Schweizerdeutsch geführt wurden und mangels Untertitel schwer zu verstehen waren. Dadurch wurde das Publikum immer vertrauter mit der Rolle der bedrohten Thai-Frau, das ebenfalls auf Interpretationen der Handlung angewiesen war. So eindringlich die Bilder, so düster die bizarre Atmosphäre zu Beginn waren, mit der Zeit wurde aus der ganz speziellen Liebesgeschichte eines Schweizer Bauern ein allgemeines Lehrstück über die Verbohrtheit der Menschen, die Neues ablehnen, sich davon nur bedroht fühlen. Letztlich bringen sie die Frau um. Dramatisch!
doro: Lehrstückhaft, Nürnberger Zeitung, 24. April 1991



Jungbauern tun sich heute schwer mit einer Jungbäuerin. Erst recht, wenn es sich um einen Schweizer Bergbauern handelt, der sich eine Frau auf seinen abgelegenen Hof holen will. Das aktuelle Problem reizte den jungen Schweizer Regisseur Urs Odermatt, eine aktuelle Geschichte zu erzählen, die das unerfreuliche Thema ad absurdum führte. Denn nicht nur, daß der so eben elternlos gewordene Bergbauer Windleter in letzter Verzweiflungstat eine beim Zürcher Zuhälter vorausbezahlte thailändische Bauerntochter einfliegen läßt, das Risiko führt sogar zum Erfolg. Zwar verstehen sie nicht, was der Partner redet, aber sie finden aus Zuneigung die richtige Sprache und nehmen sich gegenseitig auf sanfte Weise liebevoll an. Eine zarte, innige Annäherung zweier Welten, die ein echtes Glück hätte werden können.

Doch da war das Dorf, waren die Schandmäuler und ihre Vorurteile, die den Haß auf die Fremde nicht nur verbal verbreiteten. Der Schlimmste tötete sie fahrlässig beim Versuch, sie zu vergewaltigen. Für die Leute vom Dorf findet Odermatt die schockierende Sprache des im Schweizerdeutsch Gröbsten, Ungehobelsten und Gewalttätigsten ihres Jargons. Zwielichtig war zudem die Rhetorik des fanatischen Pfarrers. In solcher Luft kann und darf wohl ein so zartes exotisch-schweizerisches Pflänzchen der Liebe nicht gedeihen.

Ein starkes Drehbuch, verwirklicht in einem starken Film, dank seiner konsequenten, unsentimentalen Ausdrucksfähigkeit und dem dichten Spiel seiner Hauptdarsteller Wolfram Berger und Arunotai Jitreekan und Regisseur Werner Herzog als den brutalen Totschläger.
suc.: Ein starker Film, Schwarzwälder Bote, Oberndorf a.N.,  24. April 1991



Welches Mädchen möchte schon beim Bergbauern Windleter auf dessen kargen Schweizer Hof einheiraten? Schließlich wendet er sich an einen Zürcher Zuhälter, der ihm für 5000 Franken die "Ware" aus Thailand liefert: Gekauftes Glück.

So beginnt ein Märchen. Mit roten Rosen holt Windleter seine schwarzhaarige Arunotai am Flughafen ab. Sie entpuppt sich als unschuldig-saubere Bauerntochter, die zupacken kann: melken, Mist breiten, Schweine füttern!

Allmählich keimt eine eidgenössisch-thailändische Liebe auf; aller Häme, Gemeinheit und Geilheit der Dorfbewohner zum Trotz. Wenn Arunotai friert, zieht Windleter ihr dicke, wollene Socken an. Reizend steht sie da, rotbestrumpft neben dem Misthaufen... Hunderte von Schweizer Bauern heirateten in letzter Zeit Mädchen aus Dritte-Welt-Ländern; die Ehen wurden nur selten glücklich. Dieser Heiratsmarkt inspirierte den Schweizer Regisseur Urs Odermatt zu seinem Film, frei von allem Kitsch. Sein Märchen endet traurig: Arunotai wird ermordet Und man hätte doch so gerne mal ein schönes Märchen zu Ende geträumt!
Ve: Arme Arunotai, Augsburger Allgemeine, 24. April 1991



Ein Film, der mit dem Trauermarsch am offenen Grab beginnt, kann nur böse enden: Das gekaufte Glück wird zur Tragödie. Überhaupt wird in der deutsch-schweizerischen Koproduktion von Urs Odermatt ein bedrückendes wie erschreckendes Bild gezeichnet.

In diesen Schweizer Bergen gibt es keine Spur von dörflicher Idylle und heiler Welt. Es wimmelt von bösen Menschen, Intoleranz und niederen Motiven. Als Gemeinster unter all diesen Buhmännern erscheint Werner Herzog, der hier überzeugend vor, statt hinter der Kamera steht. Nur Wolfram Berger als Einödbauer, der keine Frau findet und sich daher ein Thaimädchen kauft, zeigt gleichermaßen Herz und Verstand.
Maggie Riepl: Bedrückend, Berliner Morgenpost, 24. April 1991



Karg ist das Leben der Schweizer Bergbauern, bestimmt vom strengen Rhythmus: harte Arbeit und seltenes Vergnügen. So illusionslos und ohne jeden Alpenländerkitsch hat der Regisseur Urs Odermatt seinen Film Gekauftes Glück erzählt. Mit dem Tod beginnt die Geschichte: Der junge Bauer Windleter hat seine Mutter verloren. Nun sucht er eine Frau für den Hof. Vergeblich. Da holt er sich eine Thailänderin in die Bergeinsamkeit. Und je mehr der Mann und das Mädchen sich näherkommen, desto aggressiver gehen die Dorfbewohner auf Distanz zu der Fremden. Die wird schließlich Opfer eines Unfalls. Die Geschichte endet, wie sie anfing: mit einem Begräbnis.

Sein Thema hat Odermatt nicht aus der Luft gegriffen. Immer mehr Bauern finden keine Frauen mehr für ihren Hof, und der Auslanderhass wächst auch in der Schweiz. Doch Odermatt ließ sich von der Realität nicht dazu verführen, eine laute Anklage zu formulieren. Sein Film beobachtet mit eisiger Ruhe einen gesellschaftlichen Zustand und registriert kühl die Stationen einer daraus folgenden Entwicklung, unsentimental, aber nicht ohne Gefühl. Gerade die Beschränkung auf die nüchternen Gegebenheiten macht seine filmische Erzählung so eindringlich. Der Zuschauer bekommt einen Heimatfilm vorgeführt, wird aber nicht durch folkloristisches Schmuckwerk geblendet.
Christoph Munk: Mit eisiger Ruhe beobachtet, Kieler Nachrichten, 24. April 1991



Was macht ein braver Bergbauer, nachdem seine Über-Mutter unter der Erde ist? Er sucht sich eine Frau. Auf dem Tanzboden, im Heiratsinstitut - doch Fehlanzeige. Für 5000 Franken kann man sich allerdings auch eine nach Europa bestellen, eine Thailänderin, sauber und pflegeleicht - das Klischee ist perfekt. Urs Odermatt hat daraus ein Gekauftes Glück gemacht. Aus der Kauf-Ehe und reinen Zweckgemeinschaft entwächst schließlich eine zarte, behutsame Liebesgeschichte zwischen Windleter und Arunotai, von Wolfram Berger und Arunotai Jitreekan einfühlsam dargestellt. Autor und Regisseur Odermatt erzählt diese rührend-schöne Geschichte dieses Paares mit stillen, unspektakulären Bildern. Derb und deutlich, wie von den Schweizer Realisten des 19. Jahrhunderts, fallen diese visuellen Beschreibungen der mißgünstigen Dorfgemeinschaft aus - eine brodelnde Menge, die eingebettet in helvetischer Heimat-Idylle existiert.
C. Steinlechner: Einfühlsam, Münchner Merkur, 24. April 1991



Weder Lehrstück noch harmloses Erzählkino: Der Fernsehfilm von Urs Odermatt über einen Schweizer Bergbauern, der sich eine Thailänderin zur Frau nimmt, bewegt sich meisterhaft zwischen Realität und Spiel. Nach dem Tod seiner Eltern will der Windleter (Wolfgang Berger) unbedingt heiraten, aber das Chercher-la-Femme gerät zum Spießrutenlauf, von den heimischen Mädeln verspürt nämlich keine Lust, ihr Leben auf der Alm zu fristen. Alle wollen - wie im richtigen Leben - lieber in die Stadt. Die Kamera fängt den Dorf- und Bauernalltag ohne Übertreibungen ein; Leben in miefigen Wirtsstuben, Bauernhütten oder verstaubten Postämtern. Auch bei Windleters Ausflug nach Zürich leisten Regie und Kameramann gute Arbeit, das Fremdartige und die Verkommenheit der Großstadt präsentieren sich nicht als Gegensatz, sondern nur als Steigerung zur vermeintlichen Dorfidylle. Der Ernst der Filmhandlung wird - und das macht das Zuschauen leichter - immer wieder durch skurrile, manchmal sogar komische Momente aufgelöst. Etwa wenn sich die importierte Thaifrau anschickt, auf der Schweizer Alm Reis zu pflanzen. Daß das kurze Glück der beiden an der Mißgunst und Gewalttätigkeit der Dorfbewohner zerbricht, wirkt nicht einmal zwingend, sondern geschieht fast zufällig. Es ist müßig, über die Motive des Mörders zu spekulieren. Was nützt das noch. Glück, das will der Film wohl sagen, ist ohnehin ein launischer Gesell, besonders wenn es in solch schwierigen Verhältnissen gedeihen soll.
Rheinischer Merkur, Bonn, 26. April 1991



Mit einem Begräbnis beginnt es, mit einem Begräbnis endet der atmosphärenstarke, lakonisch erzählte, mit winzigen, witzigen Episoden versetzte Film. In rauher Unerbittlichkeit kehrt das Schicksal immer wieder beim Windleter (Wolfram Berger) ein, doch der Film ächzt kaum unter der Last des mühlradschweren Kreislaufs. Zwischen den beiden Friedhof-Szenen liegt die Geschichte: wie sich der 40jährige Bergbauer eine junge Thaifrau kauft, um was "Warmes" zu haben und dazu zwei kräftige Hände, die auf dem einsamen Hof zupacken können.

Eigentlich ist es eine garstige Geschichte, in der die Männer schachern und saufen, gewalttätig sind und verständnislos. Doch Urs Odermatt (Buch und Regie) dämonisiert nicht, er will keine Schlechtigkeit beweisen, kein Exempel exekutieren. In schöner Balance zwischen rauher Unerbittlichkeit und feingesponnenen, kleinen Überraschungsszenen zeigt er das Tragische, das anrührend Menschliche.

Selbst der zuhälterische Heiratsvermittler ist tappsig, und man lernt in dem langsamen, aufmerksam beobachtenden Film durch das Zusehen das Verstehen. Auch wenn es uns letztlich so fern bleibt und unbekannt wie Arunotai (A. Jitreekan). Gerade weil sich viel in der Wortlosigkeit abspielt - sowohl die keusche Begegnung wie auch wie biergeschwängerte Aggression -, nimmt man um so mehr wahr. Bis auf das katastrophale Ende hin bleibt alles in Ruhe: die Jahreszeiten vergehen, die Beziehung entwickelt sich, der Pfarrer ändert sich ein wenig. Und doch bleibt alles beim alten, weil sich nichts wirklich ändert angesichts der "ewigen" Berge im Hintergrund. Doch diese Botschaft kommt nicht schwerblütig und symbolbehangen, sondern weicht einer leichten Traurigkeit einem trotz aller Tragik gelassen stimmenden Einverständnis in den Lauf der Dinge.

Das Schreckliche ist so normal wie ein Sturm im Gebirge, den man ebenso ausholten muß wie die Dummheit und Ungerechtigkeit der Welt Fast zu betörend schön ist der Film, fast zu sehr wird man eingesponnen in die schlimme Geläufigkeit des harten Lebens auf dem Lande. Die Sentimentalität wird von leiser Ironie durchzogen, das Erschrecken durch milden Witz, die große Unscharfe des Schicksalsschlages durch die genaue Zeichnung der menschlichen Einzelheiten.
ack: Schöne Balance, Frankfurter Rundschau, 24. April 1991



Das Geschäft mit der Liebe blüht. Die Agenturen mit asiatischen Schönheiten im Versandkatalog haben, zumindest in Urs Odermatts Fernsehfilm Gekauftes Glück, auch schon die entlegensten Schweizer Bergdörfer erschlossen. So kann Windleter das Problem, daß Kleinbauern als Ehepartner nicht mehr gefragt sind, mit dem Erwerb einer Thailänderin lösen. Die Kommunikation des eidgenössischen Bauern und der Bäuerin aus Asien benötigt keine Sprache, sondern funktioniert auf der Basis der täglichen Arbeit. Der Berghof könnte eine Oase des Liebes- und Lebensglücks werden, waren da nicht die neid- und haßerfüllten Dorfbewohner, die mordlüstern der "Hure" auflauern.

Der junge Schweizer Regisseur Urs Odermatt erzählt mit scharfer Zunge ein Märchen, dessen feiner Schleier immer wieder durch die knallharte Realität zerstört wird. Fingerzeige genügen, um die Liebe zwischen der Fremden und dem im Dorf Geächteten zu entwickeln. Mit Momentaufnahmen und exakten Schnitten zeichnet er die Brutalität der Dorfbewohner, die hyänengleich über das exotische Paar herfallen, das nicht in ihr bigottes Weltbild paßt Das sensible Spiel eines Werner Herzogs als mörderisch-geilem Gemeindeschreiber, wie auch der Protagonisten Wolfram Berger und Arunotai Jitreekan, macht diesen Film zu einer packenden Geschichte, die wie in "Tausendundeiner Nacht" enden könnte, letztendlich aber mit der Beerdigung der getöteten Thailänderin ganz unsentimental zu Grabe getragen wird.
Regine Wittmann: Gewaltig - Gekauftes Liebesunglück, Stuttgarter Nachrichten, 24. April 1991



Die Kunde von Sanftmut, Unterwürfigkeit und sonstigen Qualitäten thailändischer Frauen hatten Sex-Touristen mitgebracht und clevere Heiratsvermittler witterten gleich eine Konjunkturlücke. Das Geschäft begann auch zu blühen, denn Männer, bei denen außer Trauschein und Ehebett auch eine Menge Arbeit auf die Frau wartet, haben es bei der Partnersuche schwer. Viele Mädchen in der Dritten Welt wiederum sahen ihre einzige Chance, dem Elend zu entkommen, in der Heirat mit einem Europäer. Daß solche Verbindungen, die auf nüchterner Geschäftsbasis zustande gekommen sind, auch Probleme bringen, versteht sich von selbst. Der Schweizer Filmemacher Urs Odermatt nahm die Gelegenheit wahr, die Ehe eines Bergbauern mit einem Thai-Mädchen als Vehikel für massive Gesellschaftskritik zu benutzen und seinen schweizerischen Landsleuten einen Spiegel vorzuhalten, in den sie sicher nicht gerne hineinschauten. Er brauchte eigentlich nur das uralte Heimatfilmmotiv von Neid, Mißgunst, Haß und Gier in eine aktuelle Situation einzupassen und der dramatische Bogen war geschlagen. Daß er sich aber zu keinem Happv-End herbeiließ, war eine scharfe Spitze, die ihm wohl mancher Schweizer so schnell nicht verzeihen wird.
Thomas Helling: Scharfe Spitzen gegen die Eidgenossen, Wiesbadener Kurier, 24. April 1991



Auch wenn die Geschichte, die der Schweizer Urs Odermatt in diesem TV-Film erzählt, auf den ersten Blick äußerst exotisch zu sein scheint, so hat sie doch einen sehr realistischen Ausgangspunkt: Immer weniger Schweizer Frauen haben Lust, ihr Leben auf einem Bauernhof zu verbringen, ganz besonders wenn er so abgelegen ist wie in diesem Fall. Immer mehr Schweizer Bauern greifen deshalb zu der Möglichkeit, sich eine ebenso ergebene wie tüchtige Frau aus der sogenannten "dritten Welt" zu holen.

Das ist allerdings nicht das Thema, das den Regisseur interessierte. In seinem Film geht es vielmehr um den Gegensatz zwischen der landschaftlichen Idylle eines Schweizer Bergbauerndorfes und der Mischung aus Fremdenhaß und Frauenverachtung, die seine Bewohner und Bewohnerinnen an den Tag legen. Die Männer reagieren mit unverhohlener Geilheit, die Frauen mit Eifersucht. Die Idylle entpuppt sich als Treibhaus von Sexualneid und Konkurrenz, das noch dazu von einem bigotten Pfarrer als Instanz umfassender sozialer Kontrolle kräftig von der Kanzel aus "gedüngt" wird. Eine seiner direkt adressierten Predigten gibt den Anstoß: Der Gedemütigte, ohnehin einer der Aggressivsten im Dorf, muß seinen Frust abladen und sich beweisen, daß er die schöne Fremde haben kann...

Ein böser Heimatfilm also, der an manchen Stellen an Max Frischs Außenseiterdrama Andorra erinnert. Dazu trägt auch bei, daß eine der stärksten Rollen, nämlich die des späteren Totschlägers, von keinem anderen als Werner Herzog gespielt wird, der ausnahmsweise nicht hinter, sondern vor der Kamera agiert.
Beatrix Geisel: Böser Heimatfilm, Rheinpfalz, Ludwigshafen, 24. April 1991



Zunächst erinnerte Urs Odermatts Gekauftes Glück fatal an einen Heimatfilm mit allen Klischees: Angefangen bei den Schweizer Bergen über ein Schweizer Urgestein als Kneipenwirt bis zum Schweizer Brotmesser, mit dem der anfangs etwas tumbe Bergbauer Windleter Käse und Fingernägel schnitt. Erst mit dem Auftauchen der bildhübschen Thailänderin Arunotai kamen Tempo und Spannung in die Geschichte. Einfühlsam und anrührend setzte Odermatt das vorsichtige Kennen- und Liebenlernen der beiden in Szene, stellte den Haß und Rassismus der Dorfbewohner dagegen. Werner Herzog als Totschläger Arunotais sorgte dafür, daß Geilheit und Haß siegten und sich zum Schluß noch einmal die Grabesstille der Anfangsszene über die nun auch äußerlich nicht mehr so heile Bergwelt senkte. Beklemmend echt!
mil: Haß und Rassismus - beklemmend echt, Neue Presse, Hannover, 24. April 1991



Einem Schweizer Bergbauern ist die Frau gestorben. Deshalb findet die Summe von fünftausend Franken neue Verwendung: Anstatt der eigentlich vorgesehenen Melkmaschine erwirbt Bauer Windleter eine Thailänderin. Der beste Freund ist skeptisch. Wird sich die Asiatin amortisieren?

Das 1968 entworfene Szenario scheint bestens geeignet, Muff und Enge der Schweizer Bergwelt nachzuzeichnen. So schlagen der jungen Frau Rassismus und Gewalt entgegen, auch die eidgenössische Geistlichkeit erscheint in überaus unvorteilhaftem Licht. Hier ist der kritische Heimatfilm natürlich in seinem Element.

Das Gekaufte Glück jedoch gerät zunehmend zur Idylle. Denn Bauer Windleter ist ein herzensguter Mensch und will mitnichten den landläufigen Vorstellungen von Teilhabern am organisierten Menschenhandel entsprechen. Er schlaft auf der Couch - allein, verzehrt den Reis alsbald mit Fingern und genießt die ausländischen Geheimnisse im Eintopf. Auch die Asiatin fühlt sich wohl auf der Alm.

Hier wird der Handlungsfaden dünn wie die Schweizer Bergluft, was Autor und Regisseur Urs Odermatt veranlaßt haben mag, die Frau doch noch dem Rassismus zum Opfer fallen zu lassen.

Ein ruhiger, zum Teil komischer und mit kargen Dialogen versehener Film, der von der Regie und dem qualitativen Spiel einer hochkarätigen Besetzung lebt.
Frank Lüdecke, Der Tagesspiegel, Berlin, 24. April 1991



Immer mehr Bauern, vor allem in der Westschweiz, holen Frauen aus der Dritten Welt auf ihren Hof und heiraten sie. Der Kulturschock muss unvorstellbar sein. Die wirtschaftliche Völkerwanderung der Bräute beschäftigt zur Zeit einige Schweizer Filmer. Alain Tanner zum Beispiel dreht eine Waadtländer Dorfgeschichte. In der Nidwaldner Version von Urs Odermatt verschwört sich die frustrierte, bösartige Dorfgemeinschaft gegen ein thailändisches Mädchen, die Freude auf einen abgelegenen Hof gebracht hat. Wolfram Berger spielt den treuherzigen Kleinbauern, der nach dem Tod seiner bigotten Mutter allein in Stall und Stube zurückbleibt. Über einen schmierigen Zuhälter ersteht er sich eine sanfte, exotische Bauerntochter. Auf dem windigen Hof beginnt eine schöne Liebesgeschichte. Er massiert seiner Thailänderin die kalten Füsse, sie kocht ihm Curry. Beide essen mit den Händen. Argwöhnisch werden sie beobachtet. Die Frauen im Dorf werden eifersüchtig, die Männer geil. Stellvertretend für alle ist der knallharte Gemeindeschreiber (Werner Herzog) hinter ihr her. Wie er sie jagt im Wald, mit seinem Jeep, in Khakiuniform, das erinnert an Bilder aus Vietnam.

Odermatt hat die etwas einfache Geschichte als tragischen Schwank inszeniert. Man erhält das Gefühl, die meisten Schauspieler würden sich über die ihnen zugedachte plakative Rolle lustig machen. Gleichzeitig parodieren sie aber die dumpfe ländliche Realität. Das ergibt eine Atmosphäre von dick aufgetragener, aber gekonnter Ironie. Besonders Matthias Gnädinger zieht eine grosse Nummer ab. Hat Odermatt versucht, die an sich armselige Geschichte zu verfremden, um sie dadurch wirksamer, glaubwürdiger zu machen? Teilweise ist es ihm gelungen. Kommt allerdings noch verfremdend dazu, dass die Schauspieler auf ein genussvolles Nidwaldnerisch nachsynchronisiert wurden.

Kein alpiner Liebesfilm kommt heute an Höhenfeuer vorbei. Odermatt hat den Weg der Vereinfachung gewählt. Sexsymbole überall, eine Brunstglocke hängt über dem Dorf. Nidwalden ist läufig. Sogar das Brot hat die Form eines Füdlis.
Miklós Gimes: Exotik in den Alpen, Tages-Anzeiger, Zürich, 2. Juni 1989



Von Bergbauern und ihrer Frauennot, vom Umgang bodenständiger Schweizer mit Fremden und von unterdrückten Gefühlen handelt der beachtliche zweite Spielfilm des Innerschweizers Urs Odermatt.

Ab morgen startet in den Grossstädten der Dialektfilm Gekauftes Glück von Urs Odermatt. In seiner Fingerübung Rotlicht! hat Odermatt immerhin zu Beginn angetönt, dass er Klischees gerne gegen den Strich bürstet und mit Schauspielern arbeiten kann. Sein Erstling verlor jedoch mit zunehmender Länge an Identität. Seinem neuen Werk wurde denn auch mit Spannung, aber auch Skepsis entgegengeblickt.


Erdig

Um so erfreulicher ist die Feststellung, dass uns ein geglückter und engagierter Film begegnet, welcher in den Traditionen des Heimatfilms gleichermassen verwurzelt ist wie etwa Der schwarze Tanner oder Höhenfeuer, das heisst eher erdig und holperig als postkartenschön und gelackt daherkommt. Dennoch, auf schöne Bilder muss keineswegs verzichtet werden.

Ebenso darf auf ausgezeichnete schauspielerische Leistungen verwiesen werden. Odermatt hat den Film mit internationaler Besetzung ohne Direktton gedreht, wobei der Dialog, der Mundstellungen wegen, in einer Art Schweizerdeutsch gesprochen worden ist. Für die Aufführungen in der Schweiz ist der Film mit Sprechern aus Nidwalden nachsynchronisiert worden. Der urchige Dialekt gibt dem fiktiven Film eine willkommene Authentizität.

Der Bergbauer Windleter, gegen Ende Dreissig, begräbt seine Mutter, welche die Jugend des Bauern dominiert hat. Weil ihm zwei Weibervölker unter einem Dach nicht ratsam schienen, hat er darauf verzichtet, um seine Jugendliebe, das Vreneli, zu werben. Dieses Vreneli muss auf dem mutterlosen Odermatt-Hof ebenfalls zupacken und ist beim Tod der Windleter-Mutter auch nicht mehr das attraktive Meitschi der Jugendjahre.


Bergbauer heiratet Thai-Mädchen

Weil das Vreneli den Windleter nicht mehr reizt, sucht er eine junge Frau, welche als Bäuerin auf seinen Hof kommen möchte. Er geht an Dorffeste, macht Inserate, sucht ein katholisches Eheanbahnungsinstitut auf und wird schliesslich in einer schummrigen Bar an der Zürcher Langstrasse mit dem Zuhälter Boris handelseinig, dass dieser ihm ein Bauernmädchen aus Thailand importiert. Dieses trifft auch ein und ist tatsächlich ein Bauernkind.

Boris hat also nicht versucht, den Windleter übers Ohr zu hauen. Aber kaum ist die Thailänderin auf dem Windleten-Hof eingezogen, gerät die heile Alpenwelt in Unordnung. Die Frauen entsetzen sich über .das exotische Fleisch; die Männer verdecken ihren Neid und ihre Eifersucht hinter unflätigen Sprüchen. Der Gemeindeschreiber, ein Möchtegern-Schürzenjäger, will in der Thailänderin nicht mehr als ein übliches Flittchen sehen und beginnt ihr dermassen nachzustellen, dass das tragische Ende der Beziehung sich abzeichnet.


Stimmige Bilder und wenig Dialog

Wie Urs Odermatt diese Geschichte filmisch erzählt, macht kenntlich, dass er ein Innerschweizer ist und die Mentalität dieser Menschen versteht. Im Gegensatz zu vielen Filmen verzichtet er auf viel Dialog. Es wird wenig gesprochen, aber viel gespielt. Der Dialog ist zeitweise nicht einmal wichtig. Das erzählende Moment wird in der Mimik der Darsteller, der Gestik, der Kameraeinstellung und der Farbgebung wahr. Ohne zum Selbstzweck zu werden, wirken Details erzählerisch und vermögen den Fluss der Handlung voranzutreiben.

Wolfram Berger verleiht der Hauptrolle des Windleter Leben. Als Dorfwirt, ein Brocken mit empfindsamer Seele, ist Mathias Gnädinger in seiner schönsten Rolle seit dem Gemeindepräsidenten zu sehen. In einer kurzen Szene gibt Helen Vita ein Kabinettstückchen ihrer schauspielerischen Qualitäten. Werner Herzog ist als Gemeindeschreiber Businger ein weitaus differenzierterer Brunnenvergifter als sein Freund-Feind Klaus Kinski. Arunotai Jitreekan, in Thailand eine recht bekannte Schauspielerin, ist nicht nur mit exotischem Liebreiz ausgestattet, sondern spricht mit jeder Faser ihres Körpers ihren praktisch nonverbalen Part. (...)
Helmuth Zipperlen: Von unterdrückten Gefühlen, Solothurner Zeitung, 1. Juni 1989



Nach dem Tod seiner Mutter fehlt dem Innerschweizer Bergbauern Windleter (Wolfram Berger) die Frau im Haus. Da er mit keiner der Dorfschönheiten etwas anfangen mag, lässt er sich ein Bauernmädchen aus Thailand per Katalog aufschwatzen. Allen bösen Zungen zum Trotz, lernen sich die beiden lieben, und das, obwohl sie verbal nicht miteinander kommunizieren können. Im Dorf dagegen macht der Pöbel gegen das "Thai-Füdle" mobil: Hass, Neid und Fremdenfeindlichkeit setzen dem stummen Glück ein jähes Ende. Odermatts Film stiess bei seinem Erscheinen auf einige Ablehnung. Man warf ihm die übertriebene Dämonisierung der Schweizer und deren Engstirnigkeit vor. Zugegeben, die Amokläufe Werner Herzogs, der den lüsternen Gemeindeschreiber spielt, sind schwer ertragbar. Doch ansonsten hält sich die Übertreibung in Grenzen. Der Film ist eine Satire und an deren Spielregeln hält sich Odermatt mit seinem Drehbuch: Seine Schweizer sind entlarvende Karikaturen. Darin liegt denn wohl auch der Grund, weshalb Gekauftes Glück in unserem Land nicht auf grosse Gegenliebe gestossen ist. Leo Sonnyboy ist da viel harmloser und versöhnlicher. Odermatts Film mag einige Schwächen aufweisen - er weist aber sicher ebensoviele Stärken auf. Vor allem das Drehbuch ist hervorragend: Endlich ein Schweizer Regisseur, der eine Geschichte zu erzählen hat und der darauf vertraut, dass er dies auch kann, ohne Zuflucht in symbolischen Schnickschnack und intellektuell-pädagogische Eloge suchen zu müssen. Man darf auf weitere Filme Urs Odermatts gespannt sein.
Aargauer Tagblatt, Aarau, 19. Januar 1990

Frauenhändler
In der wöchentlichen Diskussionssendung "Zischtigs-Club" des Schweizer Fernsehens vom 27. Juni 1989 zum Thema "Die Importware Liebe: Pflegeleichte Frauen aus der 3. Welt" waren neben dem Gekauftes-Glück-Regisseur Urs Odermatt auch der Embracher Frauenhändler Simon Amstad als Gesprächsteilnehmer eingeladen. Amstad war sichtlich aufgebracht und betrunken und drehte durch, als sich das Gespräch um den Film Gekauftes Glück drehte. Er beleidigte die anwesenden Frauen aus den Philippinen mit Sätzen wie "Eene het en Vogel is Hirni gschisse!" oder "Wie send denn si i d'Schwiiz ine cho?"

Noch während der Sendung beschwerten sich viele Fernsehzuschauer telephonisch über Amstads unflätiges Benehmen. Selbst die Techniker im Studio "wurden sehr unruhig. Regisseur Odermatt will gar wissen, daß es kurz nach der Sendung im Studio zwischen Leuten hinter der Kamera und Heiratsvermittler Amstad zu weiteren Auseinandersetzungen gekommen ist" (Blick, 29. Juni 1989).



Miß Schweiz
Nach den vier Kinofilmen Rotlicht!, Der Rekord (Regie: Daniel Helfer), Gekauftes Glück und Schrei aus Stein (Regie: Werner Herzog) hat Produzent Christoph Locher seine Cinéfilm AG stillgelegt und die Miß Schweiz Organisation AG übernommen. Mit der Ex-Miß Schweiz aus dem Jahre 1988, Karina Berger, die bei Rotlicht! selbst eine kleine Rolle gespielt hat, hat Locher die Schweizer Mißwahl entstaubt und zu einem äußerst erfolgreichen Unternehmen aufgebaut.



Leserbrief
Kürzlich lief der Film Gekauftes Glück des Regisseurs Urs Odermatt in einigen Innerschweizer Kinos an. Und da ich wußte, daß dieser in meiner engeren Heimat gedreht wurde, habe ich mich voller Erwartung in das Kino gesetzt, um mir diesen Film anzusehen. Es ist doch nicht selbstverständlich, daß man sich seines Heimattales auf solch eine Art und Weise erfreuen kann.

Doch je länger der Film lief, desto weniger traute ich meinen Augen, was diese zu sehen bekamen. War das noch mein Isenthal? War das noch das mir so lieb gewordene stille, friedliche Bergdorf? Waren das noch die Leute, die ich kannte und mit denen ich einen Teil meines Weges gegangen bin? Nein und nochmals nein, ich sehe diesen Film als ein Zerrbild, als eine Beleidigung des Bauernstandes, als eine Vermarktung dieses einfachen rechtschaffenen Volkes. Ich mag diese obszönen Worte, die zuhauf in diesem Film gefallen sind, nicht wiederholen. Ich glaube aber fest, daß der Innerschweizer Urs Odermatt sich in der "Türe" geirrt hat, denn solche primitiven Ausdrücke und solche entwürdigenden Darstellungen, vor allem der Frau, dienen doch nur der Verherrlichung der Sünde und des Lasters und sind weit davon entfernt, ein Spiegelbild meiner Heimat und seiner Bewohner zu sein.

Ich möchte es nicht unterlassen, auf diesem Weg meiner Empörung über diesen Film Ausdruck zu geben, ich empfand ihn als ein Ärgernis. Haben jene, die für diesen Film Verantwortung tragen, wohl ganz vergessen, was der Herrgott denen angedroht hat, die solches tun? "Wehe der Welt um der Ärgernisse willen. Es müssen zwar Ärgernisse kommen, doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt, für den wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde." Doch selbst des Mühlsteins ist der Film Gekauftes Glück nicht einmal wert.
Hans Hartmann, Zug (Leserbrief),
in: Urner Wochenblatt, Altdorf, 10. Juni 1989

Er steuert ein 25jähriges Auto durch unsere Wegwerfgesellschaft und reist in den kühlen Norden, wenn andere sich im Süden bräunen. Urs Odermatt stört sich an der Uniformität der Stadtmenschen, am normierten Alltagsdesign und an der vereinheitlichten Architektur: Er schwimmt kräftig gegen den Modestrom. Auch in seiner Arbeit richtet sich der Regisseur nicht nach dem Publikumsgeschmack.

Gekauftes Glück
war ein Film ganz nach seinem dicken Innerschweizer "Grind". Und trotzdem hat es ihn gefreut und ermutigt, dass sein zweiter Spielfilm (nach Rotlicht!) ein Kinoerfolg wurde. Mit Gekauftes Glück wollte Odermatt zeigen, dass nichts im Leben nur schwarz oder weiss ist: "Der Bauer ist nicht einfach ein 'Siihund', weil er sich eine Asiatin kauft." Er sei in einer echten Notlage: "Denn einen Knecht kann er sich nicht leisten, und wenn er keine Frau findet, muss er den Hof verkaufen."

Alles hat zwei Seiten, sagt Urs Odermatt, der Polizistensohn. Auch die Geschichte, die er jetzt schreibt: Polizist Zumbühl (später: Wachtmeister Zumbühl) erzählt von einem integeren Gesetzeshüter, der in einem verlassenen Gebäude ein vergewaltigtes Mädchen findet. Ihm wird klar, dass sein Sohn der Täter ist. Wird Zumbühl sein eigenes Fleisch und Blut anzeigen? Oder wird er seinen Sohn schützen und damit selber zum Gesetzesbrecher? Über den Schluss seines Drehbuches lässt Odermatt die Geldgeber entscheiden - er schreibt zwei Versionen.

Die Geschichte hätte nichts mit seinem Vater zu tun, betont der Autor. Doch das Leben neben dem Polizeichef von Nidwalden hat Odermatt allemal geprägt: "Meine Kollegen hatten immer Angst, dass ich sie verpfeifen würde. Deshalb musste ich den Stein werfen, wenn es darum ging, ein Fenster einzuschlagen." Dass sich Odermatt heute den Normen widersetzt, mag auch an seiner Schulzeit im Kloster Stans liegen. Das Kollegium empfand er als Bedrohung seiner persönlichen Freiheit: "Selbst ausserhalb der Schule war der Stundenplan genau vorgeschrieben." Aber anstatt sich nachmittags den Hausaufgaben zu widmen, schlich er sich zwecks Weiterbildung durch den Notausgang ins lokale Kino. Den Ärger mit der Schulleitung nahm er in Kauf.

Heute wird der 35jährige Nachwuchsfilmer von den international anerkannten Regisseuren Krzysztof Kieślowski und Edward Żebrowski in Dramaturgie, Regie- und Schauspielerführung ausgebildet: "Alles, was ich vom Filmen weiss, habe ich den beiden Polen zu verdanken." Er liebt das europäische Erzählkino, bewundert einen Miloš Forman, Claude Chabrol oder Roman Polański. Doch so tief Urs Odermatt in der Alten Welt verwurzelt ist, so fremd ist ihm die Neue: "Zwischen Atlantik und Pazifik herrschen Einheitsgeschmack, Einheitssprache." Weder New York noch Hollywood wäre das richtige Pflaster für den eigenwilligen Nidwaldner "Grind".
Nadine Woodtli: Nidwaldner Grind,
Tele, Zürich, 45/1990


Sie ist ein Naturtalent, die Schauspielerin Marie-Thérèse Mäder, 21. Entdeckt hat sie ihre grosse Liebe, der Regisseur Urs Odermatt. Ihren ersten grossen Auftritt hatte sie als die frühreife Bäckerstochter im Kinohit Gekauftes Glück. Statt sich die Gage auszahlen zu lassen, wünschte sich Marie-Thérèse ein Film-Requisit. Einen feuerroten Fiat 500. "Er ist der einzige Luxus, den ich mir leiste." Ihren zweiten Streifen, den Aids-Film Der Tod zu Basel, hat sie bereits abgedreht. Marie-Thérèse ist ein Glückskind: Für die Schauspiel-Akademie wurde sie aus 250 Mädchen ausgewählt - zusammen mit fünf anderen. Zurzeit steht sie im Stück Frühlingserwachen im Zürcher Depot Hardtum auf der Bühne. Ein Mädchen mit grosser Zukunft.
I. W.: Das feuerrote Glück,
Schweizer Illustrierte, Zürich, 43/1990

Ganz im Vertrauen auf folkloristischen Reiz und den Kontrast, der sich durch die Konfrontation eines schweizerischen Bergdorfes mit dem Soft-Sex-Schmelz einer Thai-Schönheit ergibt, entwickelt dieser Film, dessen Titel mit dem Erwerb der Kinokarte nicht identisch ist, seine Geschichte - mit sicherem Gespür für gängige Klischees. Selten zerfallen in der Rezeption Form und Inhalt so wie hier, läßt sich das eine dennoch genießen, obwohl das andere unmöglich ist. Man taucht ein in die schönen Bilder ruraler Archaik, gibt sich sanften Fahrten und Schwenks über dunstverhangene Täler und Almwiesen hin, nimmt dafür Karikaturen dörflicher Bewohner hin, sogar den obligatorischen Dorfdepp, auch den kauzigen Postbeamten, den rohen Lüstling, den calvinistisch-strengen Pfarrer, die dummgeile Bäckerstochter, den gemütlichen Wirt und vor allem den verschlossenen, ruppig-wortkargen, aber ungemein sympathischen Bergbauern auf Frauensuche. Das Alpenland fungiert als exotische Kulisse für eine andere Form der Exotik: das Thai-Mädchen, das sich der Bauer nach dem Tode seiner Mutter für 5.000 Franken kauft. Zart, schüchtern, in Pastelltöne gekleidet, mit schwarzem Haar und großen Augen betört sie den Bergbauern ("ich wollte doch eigentlich nur was zum Arbeiten"), so wie sie das Publikum betören soll. Durch ihre Reinheit dient sie als Katalysator für das Aufbrechen des moralischen Sumpfes, der sich ob der ungleichen "Heirat" im Dorfe zusammenbraut. Als zwischen Thai-Girl und Bergbauer eine zärtliche Liebe entsteht, ein anrührendes, stummes Einverständnis, ein unkörperliches, kindlich-harmloses Verhältnis - da nützen auch all die schönen, regenverschleierten Bilder nichts mehr: Man will es einfach nicht glauben, daß angesichts einer wirklichen Problematik - dem Menschenhandel mit asiatischen Frauen - ein solcher Film ganz ungebrochen entstehen konnte. Wollte er in der Fiktion die Realität "wieder gutmachen" oder war es ihm im Ernst ein Anliegen zu zeigen: nicht alle Thai-Frauen sind Huren, es gibt auch sehr süße, anständige, in die man sich richtig verlieben kann. So oder so werden in diesem Film krude Männerphantasien zum klebrigen Romanzenkitsch mit melodramatischem Einschlag umgeschmolzen, denn zum Schluß darf die Schöne - in bester viktorianischer Tradition, an die der Film in seiner Prüderie und Doppelmoral erinnert - den zwar gewaltsamen aber romantischen Tod sterben: als "tote Geliebte" kann sie weiter verklärt werden; stumm war sie vorher schon. Solch ein Film mag aus den durch Projektionen entstandenen Angsttraumata geboren sein, die emanzipierte Frauen in Männern auslösen - als sexuelle tauchen sie im Film nur als keifende Hyäne oder frivol-lüsternes Kindweib auf. Sich deshalb in den unbefleckten Schoß einer Unschuld, die hier an die Stelle der Mutter tritt, zurückstehlen zu wollen kann selbst für unemanzipierte Männer kein ernstgemeinter Traum sein.
Annette Brauerhoch, epd-Film, Frankfurt am Main, April 1989.


(...) Si tout va bien, le public francophone pourra voir aussi cet automne le film qui fait courir les Suisses allemands: Gekauftes Glück (bonheur acheté) d'Urs Odermatt. Premier au hit-parade 89 des films suisses, il caracole joyeusement vers les 50 000 entrées. Son sujet est l'exacte transposition du phénomène des Mauriciennes en Suisse centrale: "Je viens moi-même de Nidwald, un canton où le tiers des paysans sont des célibataires malgré eux", explique le metteur en scène. La réalité qui l'a inspiré est tellement brûlante qu'il n'a pas obtenu facilement l'autorisation de filmer dans le lieu de son choix: Isenthal, dans le canton d'Uri. "Chez nous," lui a-t-on expliqué, "la moitié des hommes ne trouvent pas de femme, et on n'en est pas fier." L'épouse achetée pour 5000 francs par le héros de Gekauftes Glück à un "importateur" zurichois est Thaïlandaise: "Avant, les hommes de Suisse centrale traversaient le Gothard," raconte Urs Odermatt. "Ils profitaient de leur service militaire au Tessin pour ramener des Italiennes, puis des Espagnoles. Mais peut-être les Italiennes sont-elles devenues trop chères... II y a eu une période philippine, et maintenant arrivent les Thaïlandaises." Le réalisateur nidwaldien parle en termes crus, mais il a imaginé, entre le paysan de montagne et la fille des rizières, un rapport tout autre que caricatural. Un amour délicat, une complicité muette fleurit entre ces deux êtres d'un autre âge qui n'ont aucun mot, mais mille gestes en commun. C'est du village que naîtront la haine et l'incompréhension, car la "poupée" thaïe, dans l'esprit des gens, ne peut que sortir d'un bordel du Niederdorf. (...)
Anna Lietti: Femmes noires, rêve de Blancs. L'Hebdo, Lausanne, 31. August 1989