Billys Lieblingsbeschäftigung ist es, auf der Weide grasende Kühe zu betrachten. Billy, das ist Der Krüppel von Inishmaan, ein junger Bursche, 18 Jahre alt. Vollwaise - und verkrüppelt. Die Leute auf der winzigen irischen Insel Inishmaan reden über ihn, halten ihn für einen Spinner, doch Billy ist hochintelligent und sehr sensibel.

Der junge Mann ist der Antiheld in dem Stück, das der erst 27jährige Dramatiker Martin McDonagh geschrieben hat. Bereits der Erstling des als "britische Sensation" gefeierten Autors wurde mehrfach prämiert; Der Krüppel von Inishmaan wird im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters am 3. Oktober in deutscher Erstaufführung gezeigt, inszeniert von Urs Odermatt.

Als die Nachricht im Dorf kursiert, daß auf der Nachbarinse! ein Dokumentarfilm gedreht wird (1934 wurde das Leben auf den Inseln tatsächlich gefilmt), sieht Billy seine Chance gekommen, dem öden Eiland den Rücken zu kehren, denn außer der hübschen Helen hält ihn dort nichts. Und Billy wird sogar zu Probeaufnahmen nach Hollywood eingeladen; er verläßt die Insel - was die Dorfbewohner allerdings nicht wissen. Sie halten ihn für tot, bis er nach Monaten wieder auftaucht...

Der Krüppel von Inishmaan hat viele Facetten; das Stück ist eine Liebesgeschichte, ein Drama und eine Komödie. "Die Figuren sind einfach wunderbar", erzählt Chefdramaturgin Georgia Eilert. "Da ist eine über 90jährige, die morgens Whiskey 'frühstückt', und, wie sich später herausstellt, haben gerade die brummigen, schwierigen Personen das Herz auf dem rechten Fleck."

Etwas ganz besonderes ist das Bühnenbild. Kühle und klare Prospekte, kaum Requisiten. "Jeder hat seine eigenen Irlandbilder im Kopf" meint Eilert, "so überlassen wir es lieber der Phantasie der Zuschauer. Ein mit Wasser gefüllter Graben trennt die Bühne vom Publikum: die Küste des Atlantik. Doch auch hier muß die Phantasie helfen; die Zuschauer sind das Meer."
Ute Gebauer: Skurrile Menschen auf einer kargen irischen Insel, Nordwest-Zeitung, Oldenburg, 26. September 1998.