Trix Brunner
Haben Sie Kinder? Nein? Gut. Schaffen Sie sich einen Hund an, wenn Ihnen etwas fehlt. Selbst ein Kampfhund macht weniger Stress als diese Göre. Und Sie? Nehmen Sie die Pille. Treiben Sie ab. Wenn Sie katholisch sind, setzen Sie Ihren Mann auf französisch. Aber machen Sie bloss nicht meinen Fehler. Früher habe ich auch anders geredet. Kinderhorte. Mutterschaftsurlaub. Internationaler Frauentag. Kinderfreundliche Gesellschaft. Wer Kinder schlug, war Klassenfeind. Und jetzt? Jetzt schlage ich meine Tochter. Und ich weiss, es war nicht das letzte Mal.
Das Biotop "Dorf" - oder die Schweizer Provinz - ist Spielort des Geschehens. Ein Dorf auf dem flachen Land, wo jeder jeden kennt, und jeder über jeden alles weiß. Trix Brunner, eine alleinerziehende Mutter, ist vor Jahren von der Stadt aufs Land gezogen, damit ihre Tochter Saskia in einer intakten und gesunden Umgebung groß werden soll. Nun beschuldigt sie Armin, den Sportlehrer ihrer Tochter, er habe Saskia sexuell belästigt. Das ganze Dorf ist empört - über die Mutter, die, noch dazu als "Zugezogene", so etwas behauptet. Schließlich ist der Beschuldigte überall beliebt und genießt als ehemaliger Landesmeister im Turmspringen hohes Ansehen und die uneingeschränkte Solidarität der Dorfgemeinschaft. Trix Brunner nimmt trotzdem den Kampf einer gegen alle auf.

In seinem Stück entlarvt Urs Odermatt mit klarem Blick die vielfältigen Verdrängungsmechanismen der Gesellschaft. Dabei verbinden sich mehrere Themen: zum einen "sexueller Missbrauch von Abhängigen innerhalb des Schulsystems", zum anderen der sich verschärfende Konflikt zwischen Mutter und der heranwachsenden Tochter (diese will trotz allem in die dörfliche Gemeinschaft integriert werden) und schließlich das Thema des Außenseiters, der gegen ein hermetisches Gesellschaftssystem ankämpft.