Trix Brunner, eine alleinerziehende Mutter, ist vor Jahren aus der Stadt aufs Land gezogen, damit ihre Tochter Saskia in einer intakten und gesunden Umgebung aufwachsen kann.
Als Trix Brunner den Sportlehrer Armin beschuldigt, er habe ihre Tochter sexuell belästigt, ist das ganze Dorf empört: Über die Mutter, die solches behauptet.
Armin ist sehr beliebt und geniesst als ehemaliger Landesmeister im Turmspringen hohes Ansehen und die uneingeschränkte Solidarität des Dorfes.
Trix Brunner nimmt den Kampf eine gegen alle auf.
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Ein Dorf auf dem flachen Land. Jeder kennt jeden. Jeder weiss über jeden alles. Die Stadt ist weit. Die Einheimischen sind fast völlig unter sich.
Der schon etwas in die Jahre gekommene Sportlehrer Armin war in den siebziger Jahren Landesmeister im Turmspringen. Einer der wenigen Höhepunkte in der Geschichte der Gemeinde. Armins Pokal in der Vitrine der Kneipe geniesst bei der Bevölkerung innigere Verehrung als die Monstranz im Allerheiligsten in der Kirche.
Zugezogene werden geduldet, sofern sie schweigen und sich aus den Angelegenheiten des Dorfes heraushalten. Tun sie das nicht, wie die streitbare Trix Brunner, trifft sie der Bann der Verachtung. Die Strafe heisst Isolation, und wer das Landleben kennt, weiss, dass diese Strafe hier viel gnadenloser ist als in der Stadt.
Alle Kontakte zur Stadt hat Trix Brunner nicht abgebrochen. Ab und zu trifft sie Koniecka, einen rasenden Reporter bei der schnellen Zeitung. Trix Brunner und Koniecka verbindet eine lange Freundschaft aus der Zeit der Studentenbewegung. Die Freundschaft ist mit den Jahren etwas abgekühlt; aber beide halten tapfer durch.
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Trix Brunner ist eine moderne, attraktive Frau und alleinerziehende Mutter, die sich in ihrem redlichen Kampf um das Recht und das Richtige verrennt, mit ihrer zunehmenden Rechthaberei jedes Augenmass verliert und diejenigen in den Abgrund reisst, die sie retten wollte.
Saskia ist ein vom Schicksal und von ihrer Mutter von der Stadt aufs Land geworfener Teenager - zu ihrem Wohl, doch ohne dass sie jemand um ihre Meinung gefragt hätte - und dabei nicht aufs Maul gefallen. Aber ein zu freches Mundwerk kann auch eine kleine Lolita einsam machen.
Armin ist ein ehemaliger Spitzensportler und unwiderstehlicher Everybody's Darling, der seine Fitness trotz der Dorfküche über all die Jahre gerettet hat, seinen schelmischen Jungencharme bei jeder Gelegenheit unverfroren einsetzt und überhaupt nicht verstehen kann, was daran verwerflich sein soll, wenn er seine Schülerinnen im Spiel nackt durch die Turnhalle rennen lässt.
Silvia ist Armins ehemalige Schülerin und jetzige Ehefrau, hat sich ihr Leben in diesem kleinen häuslichen Glück eingerichtet und kämpft nach kurzem Zögern um dessen Bestand, weil sie nicht weiss und auch gar nicht wissen will, ob es ein Leben nach Armin gibt.
Dr. Jacobi ist ein etwas verschrobener, alleinstehender Musikprofessor und Schöngeist, über dessen angebliche Homosexualität man im Dorf seit Jahren munkelt, und der mit Zurückhaltung und Unauffälligkeit und vielleicht auch mit Leisetreterei sein Überleben im Dorf ermöglicht hat.
Koniecka ist ein guter alter Kumpel von Trix Brunner aus Zeiten, in denen beide noch engagierte Jungsozialisten waren. Er schreibt jetzt als zynischer Starreporter für die Boulevardzeitung in der nahen Stadt, und letztlich bleibt die Frage ungeklärt, ob er nicht vielleicht doch der Vater von Saskia ist.
Nadja ist die Tochter von Frau Fricker und - wie fast jeder im Dorf - mit Armin verwandt, und weil Blut dicker ist als Wasser und ein ehemaliger Landesmeister im Dorf lebendiger ist als jeder virtuelle Märchenprinz, hält sie Armin auch die Stange, als seine Spiele längst keine Kinderspiele mehr sind.
Frau Fricker ist die korpulente Leiterin der kleinen Schulbehörde im Dorf, wo jeder jeden kennt und jeder von jedem alles weiss, kennt daher die Verhältnisse im allgemeinen und die von Armin im besonderen noch etwas besser, und sieht nicht ein, was diese die dürre und zugezogene Besserwisserin aus der Stadt angehen soll.
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Der böse Onkel. Klingt nach Mittelalter. Bigotterie. Vorgestern. Wer nennt denn heute einen Onkel noch Onkel? Die Tante Tante? Man nennt sich beim Vornamen, ausser man ist alt oder tot, was sowieso das gleiche ist. Der moderne Onkel eignet sich höchstens noch als einer der Böhzen Onkelz in der Punkszene oder als böser nächtlicher Onkel hinter dem Baum im nahen Wald. Onkel sind bald genau so prähistorisch wie Hexen.
Der moderne Mensch kennt keine Hexen. Der moderne Mensch glaubt, was er sieht, was er hört, und was er in die Finger nehmen und zählen kann. Für die sentimentalen Defizite gibt's die Esoterik. Das Wort "Hexen" eignet sich allenfalls noch als Drohung für Kinder oder als kokette emanzipatorische Semantik für eine eigenwillige, starke weibliche Persönlichkeit. Die Dörfler in unserer Geschichte treffen also - contre coeur - den Nagel auf den Kopf, wenn sie Trix Brunner eine Hexe nennen.
Mag sein, dass es keine Hexen mehr gibt. Was sich aber von den alten Unsitten in die Moderne gerettet hat, ist die Lust der Menschen an Hexenjagden. Political Correctness heisst der Imperativ des Zeitgeists. Sind wir nicht alle gute Menschen, führen den Haushalt partnerschaftlich, essen Gemüse aus biologischem Anbau und fahren Velo? Und richten Blick oder Finger - je nach Temperament - auf Machos, Fette und Benzinverbraucher?
Natürlich ist das alles noch witzig. Aber irgendwann ist fertig lustig, spätestens dann, wenn das Ausgrenzen aus dem warmen Stübchen der Gutmenscherei irreversibel wird und schon der leiseste Verdacht Existenzen vernichten kann.
Wer das in seiner extremsten Form sehen will, denke an die bekannten Fälle von Vätern, Lehrern und Sporttrainern, die in den Ruch des Missbrauchs Minderjähriger geraten sind und denen der nachträgliche Unschuldsbeweis nicht das geringste nützt. Bei gewissen Verbrechen, deren Schwere niemand in Abrede stellt, geraten wir in Hysterie. Seit sogar in meinem Bekanntenkreis sonst mental ungefährdete Menschen von Todesstrafe "wenn mit Kindern" reden, weiss ich, dass man auch in einem durch und durch zivilisierten Land wie der Schweiz die Augen offen halten muss.
Krzysztof Kieślowski, bei dem ich - auch wenn das schon eine Weile her ist - vieles gelernt habe, was ich über Schauspieler und dramatische Texte weiss, hat einmal unterschieden, dass das europäische Kino weiss, was es erzählt, während das amerikanische Kino recherchiert, was es erzählt. Sieht man einmal von der Richtigkeit, der Wertung und den Schlussfolgerungen dieses etwas maliziösen Unterschieds ab, stellt sich jetzt natürlich die bange Frage, was ich als Autor über die bösen Onkel weiss.
Nun, ich weiss vielleicht nicht so viel über Missbrauch und Selbstjustiz und deren Folgen, aber kennengelernt - in eigener Sache, durchaus auch durch meine polnischen Lehrmeister vermittelt - habe ich die Faszination des Bösen. Die Faszination des Bösen als unerschöpfliche Inspirationsquelle für kreatives Arbeiten, als Privileg des Autors, der in der Fiktion aus den Untiefen der Seele schöpfen kann, Untiefen, die wir im wahren Leben besser wegsperren: In unserer netten, politisch korrekten Zeit nicht gerade eine bequeme Position, zumal der Autor so schnell in den Verdacht gerät, der böse Held wecke mehr Interesse als das arme Opfer.
Aber bietet nicht gerade das Erzählen aus der Sicht des Advocatus diaboli die Chance, dass wir nicht in die Falle einer anwaltschaftlichen Dramaturgie tappen, wenn wir uns einem sozial relevanten Stoff zuwenden? Die Chance, für einmal nicht dem immer gleichen Zuschauer das immer gleiche Weltbild zu erzählen, das dieser ohnehin schon aus den gleichen Geschichten kennt?
Aber auch wenn es kein parteiergreifender Film werden soll, werden wir die Fragen nach den Pogromen in der heutigen Zeit nicht aus den Augen verlieren. Wir werden nicht übersehen, wie nah sich in einer kleinen heilen Welt Geborgenheit und Bevormundung sind, wie schnell Gemütlichkeit in Ungemütlichkeit umschlagen kann und wie militant eine vermeintlich schweigende Mehrheit eine angeblich falsch denkende Minderheit - oder eine Einzelperson - aussondern kann.
Wenn Der böse Onkel es schafft, den Zuschauer zu der einen oder anderen Frage nach der kleinen Diktatur in unserem Alltag zu provozieren, ist uns der Film mehr als geglückt. Fragen reichen. Fragen sind bekanntlich die besseren Antworten - selbst, wenn wir uns dabei gut unterhalten.
Denn ein altes Rezept ist für mich Konzept: Den Griff in die Kolportage tiefer...; für das Lachen zahlt der Zuschauer mit einem sperrigen Rätsel. Oder mit einer versteckten Botschaft, wenn man unbedingt will. Manchmal gelingt es. Lustig und ernst. In der Musik würde man es einen Flirt zwischen U und E nennen.
Urs Odermatt
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A. Thema
Das Drehbuch bezieht sich auf zwei aktuelle gesellschaftliche Themen. Es exemplifiziert einerseits Dynamiken sozialer Ausgrenzung am Beispiel einer dörflichen Solidargemeinschaft. Und spürt andererseits unterschiedliche Facetten rund um das Thema des sexuellen Übergriffs auf.
Wird dörfliches Leben landläufig mit einer Solidargemeinschaft assoziiert, wo Hilfsbereitschaft, freundschaftliche Nachbarschaftsbeziehungen und emotionale Bindekräfte noch vorhanden sind, wo Vertrautheit anstatt Anonymität vorherrscht, wo ein Klima der Wärme und Mitmenschlichkeit zu finden ist, so sehen einige in einer solchen Gemeinschaft intakte Überreste und utopische Restbestände einer ehemals funktionierenden Gesellschaft. Diese - so eine beliebte Version der Gegenwartsdiagnose und der Gesellschaftskritik - ist einer eisig kalten Gesellschaft gewichen, die mit einer zunehmenden Entsolidarisierung, mit Rücksichtslosigkeit, Härte und Gleichgültigkeit einhergeht, in der ein jeder sich selbstsüchtig seinen eignen Interessen widmet. Als Prototyp wird an die moderne Stadt gedacht.
Diese Zeitdiagnose vergisst allzu oft die Schattenseiten einer solcherart idealisierten Vergemeinschaftungsform. Dass diese einhergeht mit einer klaren Festlegung der Zugehörigkeit und somit mit einer Abgrenzung gegen aussen, zum „Rest der Welt", ist bloss die Kehrseite derselben Medaille. Der Preis einer engmaschigen Vergemeinschaftung stellt im Extremfall eine Planierung jeglicher Individualität dar. Jedes Abrücken von gängigen Normen wird mit Ausgrenzung sanktioniert, alles Fremde und Andersartige abgelehnt. Der Zwangscharakter eine Gemeinschaft offenbart sich in dem Moment, in dem Einzelne die kollektive Ordnung zu erschüttern versuchen. Eine besondere Fasson derselben Mechanismen zeigt sich zudem auch in jenen Gemeinschaften, denen die Freiheit zum Austritt kaum innewohnt, wie dies von Kindern und Jugendlichen in Bildungsinstitutionen erlebt wird und wo Ausgrenzung besonders unerbittlich greift.
Nicht die negativen Aspekte einer modernisierten Gesellschaft werden in diesem Film thematisiert, ausgeleuchtet werden vielmehr die Schattenseiten einer ländlichen Dorfgemeinschaft, einer intakten Ordnung sozusagen, dessen Zwangscharakter sich aber niemand zu entziehen vermag.
Der Stoff des Filmes lehnt an ein weiteres aktuelles und delikates Thema an, an jenes des sexuellen Übergriffs auf Minderjährige. Er verwahrt sich jedoch dagegen, eindimensional als Wortführer einer der kontrahierenden Interessenvertreter zu fungieren - die der Opfer oder der unschuldig Verurteilten - und leuchtet unterschiedliche Facetten der Problematik gekonnt aus. Durch den cleveren Schachzug, die Hauptfigur schuldig unschuldig eine Strafe absitzen zu lassen, verwahrt sich der Film sowohl gegen eine moralische Freisprechung Armins wie auch gegen eine einseitige Verfemung der Falschanschuldigung einer Jugendlichen.
B. Figuren
Die gelungene Figur des Sportlehrers Armin verleiht dem Film eine schalkhaft spritzige Note. Ein athletisches Mannsbild, infam, forsch, ruchlos, schmissig, verwegen und selbstverliebt, von den einstigen Lorbeeren seines sportlichen Erfolges zehrend und im Dorfe zur Ikone stilisiert, ergötzt er sich an den blühenden Körpern seiner jungen Schülerinnen, die Grenzen des Statthaften skandalös und schmählich überschreitend. Die Figur ist ausdrucksvoll lebendig entworfen und erhält ihre Kontur in ihrer konsequent unreflektierten Lüsternheit und Niedertracht. Seine Devise, „wenn man beliebt ist, kann man sich alles ungestraft erlauben", scheint so lange zu funktionieren, bis sich Trix Brunner einmischt. Als selbständige und starke Frau, der ihr Aussenseiterstatus im Dorfe nicht viel auszumachen scheint, steht sie für ihre Rechte ein und lehnt sich spitzzüngig und beharrlich bis starrsinnig auf gegen die Omnipotenz Armins, gegen das Schweigen im Dorfe. An ihr als Dorffremden wie an Dr. Jacobi als Ansässigen zeichnet sich die soziale Ausgrenzung als ein Leitmotiv des Drehbuchs ab. Bleiben auch die Motive des Rachefeldzugs von Trix Brunner ausgerechnet an Frau Fricker ebenso wie die Unterstützung durch Dr. Jacobi noch etwas vage, wirkt die Figur dennoch greifbar und wirklichkeitsnah.
Saskia als weitere Hauptfigur wird durch ihre Wechselhaftigkeit in den Gefühlslagen zu einer Identifikationsfigur für Mädchen in der Pubertät. Differenziert und schonungslos gezeichnet, schwankt sie zwischen herbem Hass auf die Mutter und die Welt und Gefühlen von Verletztheit und Einsamkeit. In der Phase der Identitätsfindung kämpft sie zusätzlich mit ihrem Ausschluss aus der dörflichen Gemeinschaft und benützt die Anschuldigung des sexuellen Übergriffs als phantasiertes, herbeigesehntes Zeichen sozialer Zugehörigkeit.
C. Struktur und D. Handlung
Schauplatz ist ein Dorf in der Schweizer Provinz, ein sexueller Übergriff das Motiv, auf dem aufbauend der Rachefeldzug, der Kampf der Heldin um vermeintliche Gerechtigkeit gedeiht. Eröffnet und gerahmt wird durch eine der Schlussszenen, womit bereits zu Beginn ein Spannungsmoment erzeugt werden kann: die beiden Schwerverbrannten Trix Brunner und Frau Fricker sind dazu verdammt, im gleichen Zimmer eines Spitals - einer Art Vorhölle - endlos repetitiv zu dialogisieren, sich anzufehden; stimmlos, gedanklich bloss.
Der Zuschauer wird daraufhin entführt auf eine rasante Fahrt durch ländliche Verschrobenheiten. Wie Puzzlestücke reihen sich Szenen zu einem Bilderbogen, der Einsicht verleiht in Dynamiken gemeinschaftlich-solidarischen Zusammenhalts und sozialer Ausgrenzung. Mittels exaltierter Zwischenfälle wird dem Stück eine absurd komische Note verliehen.
Die Hauptkonfliktlinien werden parallel etabliert. Wir erfahren vom Zwist der pubertierenden Saskia mit ihrer Mutter, der sich in Beschimpfungen und gegenseitigen Anfeindungen äussert; verfolgen die strammen Praktiken des Turnlehrers Armin im Sportunterricht, welche alternieren zwischen militärischem Trill und sexueller Zudringlichkeit. Nach einem vermeintlichen sexuellen Übergriff Armins auf ihre Tochter nimmt Trix Brunner den Kampf um Gerechtigkeit auf, stösst jedoch allenthalben auf taube Ohren. Selbst der Journalist Koniecka, ein ehemaliger Freund, kann ihre moralische Empörung nicht teilen.
Das Drehbuch flicht gekonnt surreale Stilelemente ein, wie z.B. den Dialog des toten Dr. Jacobi mit Saskia, welche beide der Beerdigung von Dr. Jacobi beiwohnen, als Zuschauer, als Aussenstehende; oder welche als Beobachter ein Geschehen kommentieren, wie z.B. die Tötung des Papageis. Solch erzählende Elemente lösen den Zuschauer aus dem aktuellen Geschehen heraus und flechten einen Moment der Reflexion in die Szenerie, wo Begebenheiten nachgesonnen wird, wo Motive ergründet werden, wo der legere Ton erzählerischer Gleichgültigkeit kontrastiert mit der Absurdität und Schonungslosigkeit der Ereignisse.
An den Zuschauer gerichtete Mono- und Dialoge werden im szenischen Ablauf vor aktuelle Ereignisse gesetzt. Sie wecken unsere Neugierde, leiten stilsicher über zum nächsten Geschehen und flechten spielerisch Wortgefechte und Parallelitäten zu den Ereignissen ein.
Trix Brunner gewinnt ihren Kampf. Sie verliert dabei ihr Leben oder was man als solches bezeichnen könnte, sie opfert ihren Verbündeten, Dr. Jacobi, der den schikanösen Spielen von Armin nicht standhält, und sie verliert ihre Tochter Saskia, welche sich, psychisch in desolatem Zustand, als Opfer ihres Kampfwillens sieht - in der letzten Szene begleiten wir das Gespräch zwischen ihr und ihrer Freundin Nadja im Sanatorium. Die Gewissheit allerdings, „wenn man beliebt ist, kann man sich alles ungestraft erlauben", mit der sich Armin dreist durch die den Film hangelt, wird am Schluss ausser Kraft gesetzt. Armin sitzt - für das falsche Verbrechen zwar - für drei Jahre hinter Gitter, als schuldig Unschuldiger.
Stück für Stück tasten wir uns entlang der Verschachtelung von Szenen vor zum erzählten Handlungsstrang, vor- und zurückgeworfen in der Abfolge der Ereignisse. Eine chronologische Erzählstruktur wird vermieden, gespielt wird mit zeitlichen Versetzungen.
E. Dialoge
Das Drehbuch liest sich einnehmend, kurzweilig und berauschend. Schlagfertige Dialoge sind sein Markenzeichen. Angeschlagen wird eine saloppe bis verruchte Tonart, fast magnetisch durchsexualisiert in fast allen Szenen und Nebenszenen. Ein rasantes Tempo, schnelle Szenenwechsel, gekonnte Wechsel der Schauplätze verleihen der Geschichte insbesondere in der zweiten Hälfte eine treibende Dynamik.
Erzählende, an den Zuschauer gerichtete Elemente sind exzellent gesetzt und unterstützen wirkungsvoll die Charakterzeichnung der Figuren und den Fortgang des Geschehens. Gespielt wird mit irrealen Elementen, wo sich Wirklichkeit und Fiktion verschieben, wenn sich beispielsweise in der Szene von Dr. Jacobis Selbstmord ein Radiosprecher Bezug nehmend auf dessen Monolog äussert. Stimmen aus dem Off nehmen Bezug zu aktuellen Passagen, mischen sich ein, reflektieren.
Mit viel Humor werden zweideutig eindeutige Passagen eingeflochten. Zwanglos und unzimperlich wird jedwelche Gelegenheit genutzt, Mehrdeutigkeiten auszuloten, frivole, knisternde, schamlose Wortgefechte entstehen zu lassen.
F. Zuschauer
Der Film richtet sich an ein junges wie mittleres, aufgeschlossenes urbanes Publikum. Nicht eine problemorientierte Stellungnahme zum Thema des sexuellen Missbrauchs steht im Mittelpunkt, sondern eine unterhaltende, von frechem dialogischem Schlagabtausch getragene Geschichte, die mit prägnant gezeichneten Charakteren zu bestechen vermag.
Lektorat: Dr. Nicoline Scheidegger